ORF-Radiodirektor Amon schlägt Waldner als Ö1-Infochefin vor

12. Dezember 2012, 11:47
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Ging als Erstgereihte aus offiziellem Hearing hervor - Amon-Haltung in Sachen Innenpolitik "unverändert" - Laut Wrabetz keine Entscheidung zu den Feiertagen - Kritik an "Verkündigung" von Hearing-Ergebnissen

Wien - Radiodirektor Karl Amon und die Redakteure der Radio-Information sind wieder auf einer Linie - zwar nicht in der Frage der umstrittenen Besetzung der Innenpolitik-Leitung, aber bei der ebenfalls anstehenden Bestellung eines neuen Ö1-Infochefs und Journale-Ressortleiters. Amon hat am Mittwoch Gabi Waldner für den Posten vorgeschlagen, nachdem sie am Dienstag als Erstgereihte aus dem offiziellen ORF-Hearing herausgegangen war, wie Amon bestätigte. Zuvor hatte bereits die Redakteursversammlung mit breiter Mehrheit für Waldner gestimmt.

Waldner-Bestellung

Die ORF-Journalistin, die zuletzt das Polit-Magazin "Report" moderierte, war bis zu ihrem Wechsel ins ORF-Fernsehen bereits als stellvertretende Leiterin des Ressorts Innenpolitik tätig und wurde für ihre Interviews mit dem Robert Hochner-Preis ausgezeichnet. Neben der Journale-Leitung könnte Waldner auch Stellvertreterin von Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter werden, der sich in den vergangenen Monaten für eine Rückkehr Waldners ins Radio stark machte. Einer raschen Bestellung Waldners durch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz steht damit nichts im Weg.

 Laut Wrabetz keine Entscheidung zu den Feiertagen

Eine "rasche Entscheidung" kündigte Wrabetz am Dienstag bei einer Radio-Betriebsversammlung auch für die neue Leitung der Radio-Innenpolitik an. Es werde diesmal sicher nicht zu den Feiertagen sein, meinte Wrabetz dort laut Teilnehmern in Anspielung an das im Vorjahr kurz vor Weihnachten bekanntgegebene und nach wochenlangen Turbulenzen wieder abgeblasene ORF-Engagement Niko Pelinkas. Wrabetz kündigte in der Causa ein weiteres Gespräch mit Amon an, danach werde er entscheiden.

Amon-Haltung in Sachen Innenpolitik "unverändert"

Amons Haltung in Sachen Innenpolitik ist "unverändert", wie er am Mittwoch erklärte. Er hat für den Posten Radio Wien-Wortchef Edgar Weinzettl vorgeschlagen, der bei den Redakteuren der Radio-Information allerdings auf heftigen Widerstand stößt. Die Radio-Journalisten sind für Stefan Kappacher oder Andreas Jölli, Weinzettl sprechen sie die fachliche Qualifikation und Eignung ab. Amon hält dem entgegen, dass Weinzettl Erstgereihter im offiziellen Hearing war. Radio-Chefredakteur Aigelsreiter plädierte für Jölli und blieb bis zuletzt bei seinem Vorschlag.

"Ich warte auf die Entscheidung von Generaldirektor Wrabetz", so Radiodirektor Amon. "Ich kann mit jeder Entscheidung leben, aber lieber ist mir natürlich, er schließt sich meinem Vorschlag an."

Kritik an "Verkündigung" von Hearing-Ergebnissen 

ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser kritisiert Radiodirektor Karl Amon wegen der "Verkündigung" von Hearing-Ergebnissen. Amon hatte am Mittwoch bestätigt, dass er Gabi Waldner für den Posten der Ö1-Infochefin bzw. der Journale-Ressortleiterin vorgeschlagen hat, nachdem diese als Erstgereihte aus dem offiziellen ORF-Hearing hervorgegangen war. "Trotz eindringlicher Aufforderungen seitens des Betriebsrats und angeblich auch der Geschäftsführung des ORF hält der Hörfunkdirektor daran fest, Ergebnisse interner Personalhearings nach außen zu tragen", monierte Moser Amons Vorgehen.

Solche "Verkündigungen" gingen auf Kosten von Kollegen und Mitbewerbern. "Was ihn dazu bewegt - abgesehen von taktischen Kalkülen seinerseits, siehe die bevorstehende Besetzung der Radio-Innenpolitik - entzieht sich jeder Logik und jedes Verständnisses der Belegschaft", so Moser. "Mit Aktionen dieser Art stellt der Hörfunkdirektor die geübte Praxis von Personalauswahlverfahren und Hearings, die gesetzlich und per Betriebsvereinbarungen vorgeschrieben sind, infrage." Der ORF-Betriebsrat werde deshalb über die entsprechenden Konsequenzen beraten. (APA, 12.12.2012)

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