Weil Altach ganz anders als Rapid ist

11. Dezember 2012, 17:46
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Sicherheit und ihr Gegenteil sind auch im österreichischen Kick ein Dauerthema

Wien - Georg Pangl, der Vorstand der österreichischen Fußballbundesliga, verfolgt natürlich die Diskussionen in Deutschland. "Was dabei rauskommt, weiß ich nicht. Ich bin kein Hellseher." Logischerweise sei Gewalt auch hierzulande ein Thema. "Wir müssen wachsam sein. Grundsätzlich sind wir aber auf einem guten Weg. Trotz einiger Vorfälle."

Der 47-jährige Pangl verweist auf die Ausschreitungen beim jüngsten Wiener Derby, als Rapid- und Austria-Anhänger vor der Generali Arena übereinander herfielen. Oder den Abbruch der Partie zwischen Wacker Innsbruck und Sturm, als Fans der Tiroler einen Schiedsrichterassistenten mit diversen Gegenständen bewarfen. "Wir sind zwar keine Insel der Seligen, aber Deutschland ist doch ein ganz anderes Kaliber. Die Gewalt findet dort sogar in den unteren Klassen statt."

Seit einem Jahr hat die Liga einen eigenen Sicherheitsbeauftragten, er heißt Alexander Schwärzler. Pangl. "Wie stehen ständig im Dialog mit den Vereine, der Polizei und auch Fan-Vertretern." Es sei gefährlich, speziell den organisierten Anhängern zu viel Macht zu geben. "Ich frage mich, was bilden sich gewisse Leute eigentlich ein? Andererseits ist der Fußball ohne Fans und Stimmung irgendwie unmöglich. Man muss die richtige Balance finden."

Die Liga hat einen Sicherheitstopf, in diesen fließen die Strafgelder. Er ist mit ungefähr 300.000 Euro gefüllt. "Investieren die Vereine sinnvoll in die Sicherheit, fließt das Geld zurück." Ein generelles Pyrotechnikverbot konnte in Österreich nicht durchgesetzt werden, die Behörden bewilligen Ausnahmen. Die heimischen Stadien sind nur zum Teil mit Videoüberwachungsanlagen ausgestattet. Pangl: "Wiener Neustadt oder Mattersburg wären da überfordert. Obwohl es ein Ziel sein müsste." Stehplätze sollten national erlaubt bleiben. "Wenn es der jeweilige Verein im Griff hat, warum nicht? Altach hat andere Probleme als Rapid, Hartberg andere als die Austria." Ganzkörperkontrollen bei den Eingängen seien nur bei "vermummten Fans" sinnvoll. "Für einen Familienvater mit zwei kleinen Kindern ist das unzumutbar."

In Österreich sind derzeit nur rund 100 Stadionverbote verhängt. Pangl: "Die Klubs sagen, dass die Verbote mitunter kontraproduktiv sind. Die Gewalt würde sich dadurch nur verstärken und nach außen verlegt werden." (Christian Hackl, DER STANDARD, 12.12.2012)

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    Georg Pangl setzt auf Dialog mit den Fans.

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