Eduard F. Sekler: Ein österreichischer Kosmopolit

10. Dezember 2012, 17:36
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Der Architekt und Kunsthistoriker blickt auf ein langes Wirken auf mehreren Kontinenten zurück

Am Dienstag wird ihm die Ehrenmitgliedschaft der Secession verliehen.

Mit dem 92-jährigen Architekten und Kunsthistoriker Eduard F. Sekler wird am Dienstag ein wahrer Kosmopolit als Ehrenmitglied der Secession aufgenommen. Er blickt auf ein Leben zurück, das mehrere Kontinente umspannt und früh vom Fernweh geprägt war: Eigentlich, so Sekler, habe er schon als Kind am liebsten auf die Weltmeere gewollt. 1920 in Wien geboren, lebte die Familie einige Jahre an der französischen Riviera, was den jungen Eduard so prägte, dass er nach der Matura 1940 unbedingt Schiffsbau studieren wollte. Im Binnenland Österreich, so legte man ihm nahe, sei Architektur da etwas aussichtsreicher.

Sein erstes Werk nach dem Abschluss des Studiums war die Restaurierung der Kirche auf dem Wiener Leopoldsberg, in der er später auch heiratete. Er plante und baute Wohnhäuser in Wien und machte seinen PhD am Warburg Institute in London. 1954 wurde er von Josep Lluis Sert nach Harvard berufen, wo er die nächsten Jahrzehnte lehrte.

In dieser letzten Glanzzeit der Moderne - Sekler war das erste österreichische Mitglied des legendären CIAM (Congrès Internationaux d'Architecture Moderne) - kam er bald in Kontakt mit den Großen der Weltarchitektur. Er trank Tee mit Frank Lloyd Wright auf dessen Landsitz Taliesin, traf Walter Gropius und Le Corbusier, in dessen einzigem in den USA realisiertem Bauwerk, dem Carpenter Center for the Visual Arts auf dem Harvard-Campus, er lehrte. "Es war eine Zeit des großen Optimismus", erinnerte er sich später. "Wir waren überzeugt, durch Architektur und Stadtplanung das Leben zu verbessern."

Dabei ließ er, ganz anders als Le Corbusier, die gebaute Vergangenheit nie außer Acht. Das besondere Interesse des Kunsthistorikers galt dem Erbe der Weltarchitektur. So reiste er im Auftrag der UNESCO nach Bhutan, Afghanistan, Thailand und Indien. 1962 besuchte er zum ersten Mal Nepal, das erst kurz zuvor seine Grenzen geöffnet hatte. Die Faszination für die archaischen Bauten in Kathmandu sollte ihn von nun an begleiten und führte 1990 zur Gründung des Kathmandu Valley Preservation Trust.

Neben diesen Reisen verloren der Kosmopolit und Österreich einander nie ganz aus den Augen. 2005 zeichnete Bundespräsident Heinz Fischer Sekler mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst aus, Dienstagabend wird er nun in einem Festakt als Ehrenmitglied in die Secession aufgenommen. "Eduard F. Seklers Expertise zur Moderne des 20. Jahrhunderts und insbesondere zu Josef Hoffmann, einem der Gründungsväter der Vereinigung bildender KünstlerInnen, setzten die Klammer zur historischen und aktuellen Bedeutung der Secession als architekturhistorische Ikone und zeitgenössisches Ausstellungshaus", begründet der Vorstand der Secession die Auszeichnung. Die Laudatio auf Eduard Sekler wird der Architekturpublizist Otto Kapfinger halten. (Maik Novotny, DER STANDARD, 11.12.2012, Langfassung)

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    Eduard F. Sekler wird die Ehrenmitgliedschaft der Secession verliehen.

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