Miniwachstum für Österreichs Wirtschaft

10. Dezember 2012, 10:32
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Das BIP schrumpfte im dritten Quartal doch nicht: Plus 0,1 Prozent zum Vorquartal

Wien - Österreichs Wirtschaft ist im dritten Quartal doch nicht abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag real 0,1 Prozent über dem Vorquartal, gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bekannt; ursprünglich hatte es einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet. Im Jahresabstand lag das BIP zwischen Juli und September real sogar um 0,7 Prozent höher, die erste Berechnung Mitte November hatte auf eine Stagnation (+/- 0) hingedeutet.

Die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2012 bleibt höchstwahrscheinlich unverändert. "Ohne der Prognose Ende kommender Woche vorgreifen zu wollen: Wir werden höchstwahrscheinlich bei den 0,6 Prozent bleiben, denn für das Gesamtjahr ist das Wachstum im noch ausstehenden vierten Quartal relativ wenig ausschlaggebend", sagte Wifo-Experte Stefan Schiman. Falls man überhaupt nach unten revidieren müsse, dann in einem sehr geringen Ausmaß von vielleicht 0,1 Prozentpunkten. 

2013er-Prognose hält

Auch die letzte Wifo-Prognose für kommendes Jahr von Ende September könnte halten: Für 2013 werde das Wifo "wahrscheinlich im Bereich von einem Prozent bleiben", so Schiman. Damit sei man nicht so pessimistisch wie die Oesterreichische Nationalbank. Die neue OeNB-Vorschau von Freitag prognostizierte für heuer 0,4 Prozent BIP-Plus und für 2013 auch nur 0,5 Prozent reales Wachstum.

"Gerettet" haben das österreichische BIP im dritten Quartal die Einfuhren und der Bausektor. Die Netto-Importe seien letztlich positiv statt negativ gewesen, und der Bau habe sich überraschend stabil entwickelt, so der Wifo-Experte. Im Geld- und Kreditsektor habe es weniger Rückgang gegeben als erwartet. 

In den kommenden Monaten werde die Wirtschaft weiter getrübt sein, "das ist absehbar - ohne unserer Dezember-Prognose vorzugreifen", sagte Schiman. Allerdings zeigten die Frühindikatoren mittlerweile nicht mehr so stark abwärts, einige seien sogar stabil geblieben. Dass der Tiefpunkt damit erreicht sein könnte, lasse sich daraus aber noch nicht ableiten.

Nachfrageschwäche

Die Nachfrageschwäche im Euroraum und in den USA belastet den Welthandel weiterhin und bedingt spürbare Exportrückgänge in den Schwellenländern, heißt es im Wifo-Bericht. In den USA wurden die BIP-Zahlen für das dritte Quartal zwar nach oben korrigiert, vor allem jedoch wegen der Zunahme von Lageraufbau und Exporten; das Wachstum der heimischen Nachfrage fiel geringer aus als ursprünglich angenommen. Japans Industrie ist besonders stark vom Handelsboykott Chinas betroffen, in China selbst dürfte der Tiefpunkt der Wachstumsverlangsamung durchschritten sein.

Im Euro-Raum ging das BIP auch im dritten Quartal zurück. Die Wirtschaftsleistung der Krisenländer Spanien, Portugal, Italien und Zypern schrumpfte anhaltend, in Deutschland verlor das Wachstum an Kraft. Außerhalb des Euroraumes erzielten in der EU lediglich die baltischen Länder starke Zuwächse; in Großbritannien brachten die Olympischen Spiele im dritten Quartal positive Einmaleffekte. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter und erreicht in einigen Ländern bereits ein sehr hohes Niveau. Die Refinanzierungsbedingungen der Länder blieben im November stabil. (APA/red, derStandard.at, 10.12.2012)

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    Besser als erwartet: Das österreichische Bruttoinlandsprodukt verzeichnete im dritten Quartal doch keinen Rückgang.

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