Österreicher im Ausland: "Alles Barzahler"

6. Dezember 2012, 15:29
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Spanier, Italiener und Deutsche zieht es nach Wien, Österreicher kauften heuer vor allem in Rhodos und Spanien. Der Wettbewerb um die Reichen wird global

Wer Geld anlegen will, investiert in Immobilien. Das macht auch die Oberschicht der krisengeschüttelten Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland so. Die Anbieter von Wiener Luxusimmobilien profitieren von der Kapitalflucht aus einigen europäischen Ländern. Nach Wien zieht es Spanier, Italiener und Deutsche. Griechen veranlagen lieber in Großbritannien.

Es geht aber auch in die umgekehrte Richtung: Georg Petras, Geschäftsführer des international tätigen Immobilienmaklers Engel & Völkers in Rhodos, berichtet, dass er mit Österreichern heuer die meisten Abschlüsse machte. "Und alle waren Barzahler, ohne Fremdmittel", betont Petras.

Preisrückgang um bis zu 30 Prozent

Gekauft werden die Häuser zu Preisen zwischen 400.000 und 800.000 Euro. Sechs von acht Häusern (als Zweit- oder Drittwohnsitz) einer Wohnhausanlage auf der Insel haben Österreicher erworben. Rhodos hat gegenüber andern griechischen Inseln den Vorteil, ein funktionierendes Grundbuch zu haben, was Immobiliendeals erheblich erleichtert. Und derzeit jedenfalls noch, fallen beim Verkauf von Immobilien in Griechenland keine Gewinnsteuern an, sagt Petras. Wer ein neues Haus vom Bauträger kauft, zahlt keine Grunderwerbssteuer. Die 16-prozentige Mehrwertsteuer muss extra bezahlt werden. Wer ein Haus von einer Privatperson kauft, zahlt rund zehn Prozent Grunderwerbssteuer.

Im Vergleich zu vor drei Jahren sanken die Immobilienpreise auf der Insel um zehn bis 30 Prozent. Die Preise auf Rhodos sind verglichen mit den Nobelgegenden in Spanien, Italien oder Frankreich um 30 bis 40 Prozent günstiger. Der Flughafen auf Rhodos ist nach Athen der am meisten frequentierte.

Russen kommen "in Scharen"

"Was ist nur los mit den Österreichern?", fragt sich auch David Scheffler, Geschäftsführer von Engel & Völkers in Spanien. Auch hier waren die Österreicher, die einen Zweit- oder Drittwohnsitz suchten, heuer häufiger als üblich als Käufer vertreten. Scheffler: "Die Österreicher sind in der Menge neu auf den Balearen. Sie kaufen Häuser um 400.000 bis 1,5 Mio. Euro." Die Preise im Luxussegment seien heuer erstmals nicht mehr gefallen, blieben eher stabil.

Waren es in den spanischen Küstenregionen vor rund sieben Jahren noch Deutsche und Engländer, mit denen Engel & Völkers die meisten Abschlüsse machte, so sind es derzeit die Russen. "Die kommen in Scharen", sagt Scheffler. Früher waren es fünf Russen, die im Jahr je eine Immobilie um fünf Mio. Euro kauften. Jetzt seien es jährlich 50 Russen, die zu Preisen ab 500.000 bis 1,5 Mio. Euro zuschlagen.

Über die Gründe, warum es gerade heuer Österreicher nach Spanien zog, kann Scheffler nur spekulieren: "Die Preise sind gefallen, das Essen, das Wetter und die Infrastruktur aber gleich gut wie immer. Man kann Schnäppchen machen beim Kauf und bei einem späteren Verkauf aufgrund der niedrigen Einstiegspreise mit Gewinn verkaufen."

Wien baut aus

Wer exquisite Wohnimmobilien sucht, bekommt in Wien derzeit einiges geboten: Im Dach der ehemaligen Länderbank am Hof, wo das Park Hyatt Hotel eröffnet, vergibt die Signa Gruppe des Investors René Benko eine Art Baurecht für eine 700-m²-Wohnung. Weil das Gebäude nicht parifiziert wird, kann die Wohnung auch nicht grundbücherlich verkauft werden.

Im "Goldenen Quartier" der ehemaligen Bawag, rund um Tuchlauben, Bognergasse, Seitzergasse, werden elf großteils zweigeschoßige Dachwohnungen zum Kauf angeboten. Über Preise will Signa-Vorstand Christoph Stadlhuber nicht reden (kolportiert werden 30.000 Euro/m²), die elf Wohnungen sind zwischen 120 und 480 m² groß. Die Ausstattung: Kühldecke in den Wohnräumen und Stein statt Fliesen in den Nassräumen. Die digital vernetzte Haustechnik wird zentral gesteuert. Das ehemalige Penthouse von Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner wurde übrigens in den Umbau integriert, das Schwimmbad am Dach eliminiert. Interessenten gebe es genug, wird beteuert - neben Österreichern Italiener, Spanier und Osteuropäer.

Die Apartments im Hotel Kempinski am Schottenring sind großteils verkauft, sagt Porr-Chef Karl-Heinz Strauss, dessen Baufirma Miteigentümer der Hotelimmobilie ist. Zwölf von insgesamt 17 Wohnungen wurden bereits vergeben, und der Kaufpreis von 20.000 bis 25.000 Euro/m² auch bereits überwiesen. Weitere drei Wohnungen seien reserviert. Ein Drittel der Käufer seien Österreicher aus dem Bundesländern, ein Drittel Auslandsösterreicher aus der Finanzbranche und ein weiteres Drittel Ausländer.

Wem die Preisvorstellungen der Wiener City zu hoch sind, kann auf die angrenzenden Bezirke ausweichen: Für Strauss ist sein privates Projekt (mit einem Partner) in der Schmidgasse 14 im achten Bezirk "das schönste Haus in Wien".

Im Palais Fürth werden auf fünf Etagen 15 Eigentumswohnungen errichtet. Elf Wohnungen wurden bereits verkauft, bei Preisen "deutlich über 12.000 Euro pro m²". Die Liegenschaft, die zunächst ein Sanatorium und zuletzt Teil des US-Konsulats war, bietet auf 2500 m² einen Privatpark, eine zweigeschoßige Tiefgarage, alte, freigelegte Malerei an den Wänden, Marmor, so weit das Auge reicht, und ein Oktogon mit Blick zum Himmel. Käufer sind Österreicher, Deutsche und Schweizer. Verkauft wurde nur mittels Mundpropaganda.

Das Haus hat eine bewegte Vergangenheit: Der Arzt Lothar Fürth hatte am 3. April 1938 hier mit seiner Frau Suse tödliches Gift genommen, um den Nazis zu entgehen, die sein berühmtes Sanatorium Fürth gestürmt und ihn zum Reiben der riesigen Treppen niedergezwungen hatten. Später wurde es restituiert und schließlich wieder an Investoren verkauft.

"Ohne Sorge"

Die Kombination Hotel und Luxuswohnungen bietet auch der Investor Norbert Winkelmayer im Palais Sans Souci ("ohne Sorge") im siebenten Bezirk,  Museumsstraße 1 / Burggasse 2. In den letzten beiden Stockwerken entstehen 15 Wohnungen und sieben Penthäuser. Fünf Wohnungen sind noch zu haben. Der Preis: Zwischen 12.000 und 18.000 Euro/m². In den Betriebskosten inkludiert sind Security, Valet-Parking und der Concierge, der auch Einkäufe übernimmt. Der Lift hält bei jedem Appartement. Der Spa samt 21-Meter-Sportbecken kann mitbenutzt werden. Das Fitnessstudio gegen Bezahlung.

Noch nicht spruchreif sei das Projekt für das Palais Schottenring 18. Die Erste Bank hat es um 51 Mio. Euro an eine Gesellschaft rund um den Investor Leopold Spann verkauft. Weil sich in dem Gebäude bis 2016 noch eine Filiale der Erste Bank befindet, werde noch überlegt, ob nur Luxuswohnungen oder eventuell auch ein Hotel geplant ist.

In Berlin steigen die Preise seit der Jahrtausendhälfte gewaltig. Die teuersten Wohnungen werden derzeit um 13.000 Euro/m² beim Projekt Yoo Berlin verkauft, in Bestlage in Berlins Mitte am Spreeufer, zwischen Berliner Ensemble und Friedrichstraße. Preise, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen sind. Aber die Stadt holt auf.  (Claudia Ruff, DER STANDARD/PORTFOLIO, 5.12.2012)

Die STANDARD-Beilage PORTFOLIO ist am Kiosk erhältlich.

  • Auf Rhodos sind die Immobilien-Preise im Unterschied zu den Vorjahren 
heuer nicht mehr gefallen.
    foto: engel & völkers

    Auf Rhodos sind die Immobilien-Preise im Unterschied zu den Vorjahren heuer nicht mehr gefallen.

  • Ein funktionierendes Grundbuch gibt den 
Käufern Sicherheit.
    foto: engel & völkers

    Ein funktionierendes Grundbuch gibt den Käufern Sicherheit.

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    In Wien war das Angebot an Luxuswohnungen nie größer als jetzt. Die Hersteller bieten bei Bedarf auch Einrichtungsvorschläge.

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