Sensible Sanierung ohne Denkmalschutz

    4. Dezember 2012, 20:03
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    Gründerzeitromantik verträgt sich nicht immer mit Energie- und Kostenbewusstsein des 21. Jahrhunderts

    Wien - Rund 32.000 Häuser wurden in Wien während der Gründerzeit, also vor 1919 errichtet. Prägnantes Merkmal sind die oft detailreich verzierten Außenfassaden. Doch Gründerzeitromantik verträgt sich nicht immer mit Energie- und Kostenbewusstsein des 21. Jahrhunderts: je schmuckvoller die Fassade, umso sensibler ist die Frage der thermischen Sanierung.

    Experten schätzen, das rund 17.000 der Gründerzeitgebäude davon profitieren würden, doch nicht alle sind denkmalgeschützt und vor der optischen Umgestaltung bewahrt. Dann kann es passieren, dass der Stuck einer kostengünstigeren Dämmung der Außenfassade zum Opfer fällt. Zunehmend mehr Firmen bieten einen billigen Ersatz aus Styropor an. Vor allem für Private steht die Rendite im Vordergrund: wer sich staatliche Förderungen für die thermische Sanierung holen möchte, kommt an einer Wärmedämmung nicht vorbei.

    Fassaden in schlechtem Zustand

    "Stuck aus Stein nachzubauen ist unbezahlbar", sagt Immobilienentwickler Florian Polak. Oft seien die Fassaden ohnehin in einem schlechten Zustand. Müsste alles in den Originalzustand gesetzt werden, würde niemand in Sanierung investieren. "Und was ist da schlimmer?"

    Für Hanna Antje Liebich vom Bundesdenkmalamt zählt, dass es Alternativen zur Dämmung der Außenfassade gibt, um das Erscheinungsbild zu erhalten. Das sei dem Abschlagen und nachträglich aus Plastik nachgebauten Stuckfassaden auf jeden Fall vorzuziehen. Sie stellt sich die Frage, warum Gründerzeithäuser überhaupt mit Wärmedämmverbundsystem saniert werden müssten und anschließend mit Pseudostuck behübscht werden. " Bausubstanzlich haben sie sich gut bewährt. Uns ist es wichtig, das originale Erscheinungsbild zu stärken." (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 5.12.2012) 

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