Der fliegende Intendant

4. Dezember 2012, 17:59
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Alexander Pereira, Salzburger Festspielintendant, ist wegen einer Kuratoriumssitzung in Salzburg. Zurzeit ist er jedoch vor allem global unterwegs, um Werbung zu machen

Ein Gespräch über Mailänder-Scala-Gerüchte und Anna Netrebko.

Wien - In wirtschaftlich ungemütlichen Zeiten nimmt der globale Dienstreisenfleiß ab, was Fluggesellschaften auf den Bilanzmagen schlägt. Alexander Pereira, dem Intendanten der Salzburger Festspiele, werden Firmen, die ihr Geld in den Lüften verdienen, allerdings nichts vorwerfen können - der Mann befindet sich zurzeit auf Welttournee: " Zwischen 7. November und 16. Dezember bin ich fast täglich in einer anderen Stadt. Da weiß man mitunter nicht, wo man gerade aufwacht. Das Finale findet in São Paulo statt, wo wir für einen Sponsor eine Präsentation ausrichten."

In diesen "sogenannten Krisenzeiten", so Pereira, "haben Spitzeninstitutionen wie die Festspiele zwar die besten Überlebenschancen, aber man muss sich weltweit ausrichten. Es gibt überall auf der Welt Leute, denen die Festspiele unglaublich viel bedeuten. Die muss man abholen, darf nicht in Salzburg sitzen - nach dem Motto 'Es ist mir wurscht, ob die kommen oder nicht.'"

Besser ein Projektsponsor

Die Umgarnten sollen indes nicht unbedingt Generalsponsoren werden. "Man muss immer schauen, ob das überhaupt sinnvoll ist. Ein Generalsponsor aus dem Bankenbereich kann sie ja richtig Geld kosten. Er will Exklusivität, und das schließt eine andere Bank aus. Möglicherweise aber gibt es auf der Welt fünf Leute aus der Branche, die jeweils 300.000 Euro geben würden - und dann verlieren sie schon Geld. Insgesamt geht der Trend Richtung Projektsponsoring."

Auf seiner Tournee macht Pereira am 7. Dezember auch in Mailand halt. Das hat auch private Gründe und hängt natürlich damit zusammen, dass an der Mailänder Scala die Saison mit der Premieren von Wagners Lohengrin eröffnet wird. Wobei: Im Gepäck trägt Pereira das Gerücht, er sei ein Kandidat für die Leitung des Mailänder Opernhauses. Der momentane Scala-Chef, Stéphane Lissner, wechselt ja 2015 nach Paris. Pereira kann natürlich ein gewisses Staunen über diese Vermutungen nicht verbergen:

Demnächst nach Mailand

"Ich sage Ihnen, warum ich öfters in Mailand bin. Meine Freundin studiert dort Fashion-Design. Ich schwöre: Ich habe noch nie ein Wort mit irgendjemandem über das Scala-Thema gesprochen, es hat mich niemand angerufen. Das alles ist Spekulation." Allerdings war Pereira in seiner Züricher Zeit schon heißer Scala-Kandidat. "Stimmt. Aber ich habe dort in letzter Sekunde abgesagt, obwohl sie sicher waren, mich zu bekommen. Ich glaube, dass das eher kontraproduktiv wirken wird. Und: Ich habe doch in Salzburg erst begonnen, die Diskussion ist absurd." Schließlich habe er "in Salzburg einen ziemlichen Krieg wegen der Tariflohnerhöhung geführt - und das sind harte Partien, die muss man durchstehen." Immerhin, meint Pereira: "Jetzt haben wir von allen Beteiligten die Äußerung, dass sie für die Tariflohnerhöhung 2014 kämpfen. Mein Ziel ist eine Erhöhung, die dauerhaft ist - zwischen 500.000 und 600.000 Euro jährlich."

In der heutigen Kuratoriumssitzung würde aber nichts "Wesentliches passieren, da wir die Bilanz erst im Februar vorlegen. Erstmals stellen wir ja die Bilanz von der Kameralistik auf ein anderes System um. Was ich sagen kann, ist, dass wir ein positives Ergebnis haben werden."

Verbürgt sind allerdings schon Karteneinnahmen von über 28 Millionen Euro, wozu der erstmals abgehaltene Ball hinzukommt, der ebenfalls einen Gewinn von 300.000 Euro abgeworfen hat. "Und es wird nächstes Jahr noch mehr werden."

Apropos Wachstum. Das Festival wird jetzt nicht mehr erweitert. "Es bleibt so, ist ja auch klar: Ich habe die Festspiele schon mit der Ouverture spirituelle um eine Woche verlängert. Das reicht. Warum habe ich das getan? Ursprünglich wollte ich die Reihe während der normalen Festspielzeit ansetzen, so ab 25 Juli. Dann habe ich begonnen, ein Festival geistlicher Musik zu planen, und gesehen: Das verdrängt ja wahnsinnig viele Orchesterkonzerte und andere Dinge, ich quetsche da etwas gewaltsam hinein. Also versuchte ich, die geistliche Reihe zu verkleinern. Sie wäre dann aber wie eine Kerze gewesen, die man nach dem Anzünden gleich wieder ausbläst. Es wurde klar: Das geht nur vor den Festspielen, und es ergibt ja eine neue Farbe, gibt den Festspielen eine stillere Komponente."

Eine, die auf 85 Prozent Auslastung kam und deshalb Diskussionen auslöste. "Die Auslastungsdebatte hat mich schon überrascht. Wenn man etwas Neues erfindet, ist 85 Prozent ein Erfolg. Budgetiert war die Ouverture spirituelle mit 70 Prozent."

Friede mit Netrebko

Überrascht hat ihn auch das sommerliche Gerücht, Sopranistin Anna Netrebko sei sauer auf ihn und würde nicht mehr nach Salzburg kommen. " Da war doch gar nix! Da gab es kein böses Wort zwischen ihr und mit! Ich habe jedenfalls für jedes Jahr bis 2015 immer ein Projekt mit ihr vor. Ob das dann auch stattfindet, werden wir sehen. Im Moment gibt es jedenfalls keinen Grund zur Nervosität. Es wird ja schon kolportiert, dass sie Verdis Troubadour und La forza del destino machen will, aber das kam sicher nicht aus meiner Ecke." (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 5.12.2012)

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    Alexander Pereira: "Ein Generalsponsor aus dem Bankenbereich kann sie ja richtig Geld kosten. Er will Exklusivität, und das schließt eine andere Bank aus."

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