Arbeit schützt vor Armut nicht

29. November 2012, 15:36
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Arbeiterkammer Salzburg veröffentlicht deutliche (Armuts-)Zahlen und präsentiert 61 Maßnahmen, um ArbeitnehmerInnen aus der sozialen Schieflage zu führen

Salzburg - Immer mehr Menschen leben in Salzburg an der Grenze zur Armutsgefährdung, trotz eines Jobs. Von mehr als 11.200 Personen im Bundesland, die derzeit bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen, haben zwei Drittel zumindest einen Teilzeitjob. Doch auch jeder fünfte ArbeitnehmerIn in Salzburg verdient unter 1.000 Euro. Die Arbeiterkammer Salzburg will dieser Entwicklung entgegensteuern und hat am Donnerstag dazu ein Paket aus 61 Maßnahmen präsentiert.

An Vorschlägen mangelt es nicht: Die Einführung eines Mindestlohns von 1.300 Euro Netto, eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich, die steuerliche Entlastung von Arbeit und eine erhöhte Besteuerung von Kapital, Sozialversicherungspflicht für geringfügig Beschäftigte - das alles soll aus der sozialen Schieflage führen. 25 ExpertInnen von ArbeitnehmerInnen- und ArbeitgeberInnenseite sowie aus den Bereichen Arbeitsmarkt-, Sozial- und Bildungspolitik haben an der Studie mitgearbeitet und ihre Positionen eingebracht.

Öffentliche Aufträge an "gute Arbeit" koppeln

"In seiner Detailgenauigkeit dürfte der Maßnahmenkatalog in Österreich bisher einmalig sein", so Studien-Mitautorin Birgit Buchinger. "Es gibt Forderungen, wo Konsens über die Notwendigkeit besteht, etwa wenn es um Ziele in der Bildungspolitik oder um das Aufbrechen der Geschlechterstereotypen geht", so Buchinger.

Andere Forderungen würden allerdings von der Wirtschaftskammer dezidiert abgelehnt werden. "Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, Ausweitung der Einkommenstransparenz, Fragen der Lohn-, Sozial- und Strukturpolitik oder der Vermögensbesteuerung. Da braucht es eine vertiefende Diskussion auf politischer Ebene."

Für rasch realisierbar hält Buchinger - wie in Deutschland teilweise schon gesetzlich umgesetzt - die Koppelung von öffentlichen Aufträgen oder Wirtschaftsförderung an "Gute Arbeit". Es sollen Betriebe profitieren, die ihren MitarbeiterInnen angemessene Arbeitsbedingungen bieten, Lehrlinge fördern, auf unbefristete Dienstverhältnisse statt auf LeiharbeiterInnen und Teilzeitjobs setzen oder besonders auf Gleichstellungsmaßnahmen zwischen Männer und Frauen achten. (APA, 29.11.2012)

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