Harte Arbeit fürs Kinderlachen

28. November 2012, 18:23
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Kann man mit gutem Gewissen Spielzeug aus China kaufen? Eher nein, sagt ein neuer Bericht. Bei den Arbeitsbedingungen liege nach wie vor vieles im Argen

Der Spielzeugmarkt boomt - nicht nur vor Weihnachten. Rund 80 Milliarden US-Dollar (rund 62 Milliarden Euro) werden im weltweiten Spielzeugmarkt jährlich umgesetzt. Viele internationale Hersteller lassen in Billiglohnländern wie China produzieren - 86 Prozent der Spielzeugimporte in die EU kommen aus dem Reich der Mitte. China hat als Spielzeugproduzent praktisch Monopolstatus. 

Wie steht es um die Arbeitsbedingungen jener Menschen, die in den chinesischen Fabriken der Marktführer Puppen, Autos und Bausteine für den Weltmarkt produzieren? Wie lange müssen sie arbeiten? Werden sie fair entlohnt? Können sie regelmäßig Pausen machen? Wird ihre Gesundheit geschützt? Das haben europäische Konsumentenschützer, darunter der heimische Verein für Konsumenteninformation (VKI), vor acht Jahren untersucht.

Mutterschutz nur für Managerinnen

Damals schnitten Lego und Mattel am besten ab, besonders schlecht erging es dagegen den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Fabriken des Disney-Konzerns. Hier wurde die Überstundenbeschränkung systematisch ignoriert, die Löhne für die Arbeitsdauer waren viel zu niedrig, Überstundenentgelte wurden meist nicht ausbezahlt. Beträchtliche Mängel stellten die Tester damals auch beim Arbeitnehmerschutz fest.

"Viele Arbeiter klagen über extremen Stress infolge von Akkordarbeit, große Hitze- oder Lärmentwicklung oder über Hautallergien durch Chemikalien", heißt es im Konsument-Bericht aus 2004. "Mutterschutz gibt es nur für Managerinnen, schwangere Arbeiterinnen müssen den Job aufgeben." Die Frage nach gewerkschaftlichen Freiheiten habe sich erübrigt - die meisten Arbeiter hätten gar nicht gewusst, was eine Gewerkschaft ist.

Was sich seither getan hat

Seit diesem Bericht aus 2004 hat sich einiges getan: Der internationale Spielzeugindustrieverband hat sich einen Verhaltenskodex auferlegt, der faire Arbeitsbedingungen, Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer gewährleisten soll. Die Konzerne Disney und MGA verweigerten allerdings die Teilnahme an diesem Kodex.

Im Jahr 2011 wollten die Konsumentenschützer wissen, ob sich die Arbeitsbedingungen seit 2004 verbessert haben. Überprüft wurden die Marktführer wie Mattel, Walt Disney, Lego, Playmobil, Hasbro und MGA. Die Tester wählten pro Firma zwei der beliebtesten Artikel aus - darunter Puppen, Action-Figuren, Plüschtiere und Spielzeugautos.

"Ohne Druck keine Bewegung"

Nun liegt das Ergebnis vor: Vor allem bei den Arbeitsrechten liege immer noch vieles im Argen, schreibt der VKI und zitiert die Konsumentenschützerin Quiang Li von China Labour Watch: "Ohne Druck von außen würden die Markenkonzerne keinen Finger rühren." Nach wie vor gelte, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Rechte nicht kennen. Und nach wie vor stehen Arbeitsdauer und Lohn in keinem fairen Verhältnis.

Die Tester berichten von Zwölf-Stunden-Schichten an sieben Tagen der Woche. "Kost und Quartier werden automatisch vom Lohn abgezogen, auch wenn die Arbeiter dies gar nicht in Anspruch nehmen. Die Schlafsäle sind schmutzig und überfüllt, Ratten und Wanzen keine Seltenheit." Wer sich weigert, Überstunden zu leisten oder zu lange auf der Toilette war, müsse mit Strafbeträgen rechnen. Im Krankheitsfall gebe es oft gar keinen Lohn.

Zahnlose Selbstkontrolle?

Die freiwillige Selbstkontrolle der Spielzeug-Industrie sei zahnlos, kritisiert der VKI weiter: "Die Auflagen sind nicht gerade streng - so kann man ein Zertifikat schon erlangen, wenn die Arbeitszeit "nur" 200 Prozent über der gesetzlich erlaubten Arbeitszeit liegt", heißt es im aktuellen Bericht. 

Und doch hat sich laut dem aktuellen Bericht in China einiges zum Besseren gewendet: "Die Fabriken wurden modernisiert, die Gebäude sind relativ neuwertig, in den Produktionshallen herrscht Hightech-Equipment vor." Heute sei außerdem eine neue Generation von Wanderarbeitern aktiv, die sich nicht mehr alles gefallen lasse. "Sie sind, nicht zuletzt dank dem Internet, viel besser informiert als früher." 

Für den aktuellen Bericht kooperierte übrigens der US-Konzern Hasbro als einziger von Anfang an mit den Testern. Playmobil tat dies nach einer Nachdenkpause. Lego zeigte sich zu einer teilweisen Zusammenarbeit bereit - allerdings erst zwei Monate nach Abschluss der Untersuchung. (Lisa Mayr, derStandard.at, 28.11.2012)

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    In Chinas Spielzeugfabriken arbeiten zu 95 Prozent junge Frauen.

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    Sie gelten laut dem Bericht als "geschickt, fügsam und geduldig genug, eintönige Arbeiten zu vollführen".

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