Magna baut Graz um und hofft auf Russland

23. November 2012, 17:10
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Magna will mit dem russischen Autobauer Awtotor aus Kaliningrad kooperieren. Magna Steyr in Graz wird indes radikal umgebaut

Graz/Moskau - Der Autozulieferer Magna macht jetzt ernst und baut sein österreichisches Stammhaus in Graz, die Magna Steyr AG, radikal um. Die Magna-Geschäftsführung bestätigte am Freitag, dass die Kernbereiche Engineering und die Zentralbereiche (Service etc.) herausgelöst und neu organisiert werden (über das entsprechende interne Strategiepapier hatte der Standard berichtet).

Hintergrund des Plans, die Firma organisatorisch umzubauen war, dass die rund 1800 Beschäftigten damit vom lukrativen Industrie-Kollektivvertrag in den für den Konzern günstigeren Ge werbevertrag wechseln müssen.

Dieses Vorhaben hatte unter der Belegschaftsvertretung und der Gewerkschaft intern aber zu heftige Protesten geführt. Nach vierzehntägigen Verhandlungen kam der Konzern der Belegschaft nun entgegen: Das Rahmenrecht des Industrie-Kollektivvertrags bleibe überwiegend erhalten, auch die Arbeitszeit - diese sollte ursprünglich erhöht werden - bleibe gleich. In einer außerordentlichen Betriebsversammlung stimmte die Belegschaft daher am Freitagnachmittag der Umstrukturierung von Magna Steyr zu.

Aufbruchstimmung

In Kaliningrad herrscht indessen Aufbruchsstimmung. Vom "Detroit an der Ostsee" spricht in der russischen Grenzprovinz, eingeschlossen von den EU-Nachbarn Litauen und Polen, zwar noch niemand, aber die Hoffnung darauf, dass die Wirtschaft dank der Autoindustrie nun gehörig Gas gibt, ist groß. Grund für die Euphorie ist ein Abkommen, das der austrokanadische Automobilzulieferer Magna mit dem lokalen Autoproduzenten Awtotor am Donnerstag geschlossen hat. Die Vereinbarung sieht den gemeinsamen Aufbau eines Automobil-Clusters in der Region vor. Entstehen sollen sechs vollwertige Autofabriken mit einer Produktionskapazität von 250.000 Fahrzeugen pro Jahr und 15 Zulieferbetriebe. Laut Awtotor-Vorstandschef Wladimir Schtscherbakow liegen die Investitionen bei gut 100 Milliarden Rubel (etwa 2,5 Milliarden Euro).

Awtotor ist ein spezialisierter Montagebetrieb. Im vergangenen Jahr wurden hier 222.000 Fahrzeuge der Modelle BMW, Opel, Cadillac, Hyundai und Kia zusammengeschraubt. Künftig könnten die Marken Subaru, Jaguar und Range Rover dazukommen. Als mögliche Zulieferer werden neben dem Magna-Konzern, der in Kaliningrad Plastikdetails fertigen will, Johnson Controls, Eberspächer, Fagor und Lear genannt.

Als Basis für das gemeinsame Projekt gilt die russische Magna-Tochter Magna 2 Nischni Nowgorod. Das 2008 gegründete Unternehmen hat den Vorteil, über Zollrabatte bei der Einfuhr von Autokomponenten zu verfügen, wenn die Teile für die Automontage in Russland verwendet werden. Awtotor hat an der Magna-Tochter 60 Prozent übernommen. Über den Kaufpreis gibt es keine Angaben.

Magna werde Awtotor bei der Entwicklung der Konzeption und dem Aufbau des Clusters unterstützen, erklärte der Europachef des Konzerns, Günther Apfalter. Zudem will Magna als Partner bei der Lokalisierung der Produktion auftreten.

Magna ist schon mit mehreren Fabriken in Russland vertreten - drei in St. Petersburg, eine in Kaluga und eine in Nischni Now gorod. Neben westlichen Autobauern zählt auch der russische Kleinlasterhersteller Gaz (geführt vom ehemaligen Magna-CEO Siegfried Wolf) zu den Kunden. (André Ballin, Walter MÜller, DER STANDARD; 24./25.11.2012)

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    Ein Hummer wird im Awtotor-Werk zusammengebaut.

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