Mit Viren gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

27. November 2012, 11:29
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Mikroorganismen sollen Krebszellen zerstören. Der Erfolg hält sich bislang aber in Grenzen

Ulm - Durch Viren wollen Krebsforscher Tumoren zerstören, ohne gesunde Zellen zu schädigen. Die Mikroorganismen sollen gentechnisch so verändert werden, dass sie Krebsgeschwüre besiedeln und die bösartigen Zellen beseitigen. Derzeit testen Wissenschaftler am Universitätsklinikum Ulm diesen Ansatz bei Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird, kann der Tumor operativ entfernt werden. Ist der Krebs für eine Operation jedoch bereits zu weit fortgeschritten, wenden die Ärzte eine Chemo- beziehungsweise Strahlentherapie an. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Heilungschancen jedoch nach wie vor sehr schlecht.

Einen neuartigen Behandlungsansatz verfolgt das Wissenschaftlerteam Stefan Kochanek und Andreas Wortmann vom Universitätsklinikum Ulm. Dabei soll der Tumor gezielt mit Viren zerstört werden. Dabei kommen bestimmte Stämme - sogenannte Adenoviren - zum Einsatz, da sie die die Eigenschaft haben, gesunde Zellen von Krebszellen unterscheiden zu können. Dadurch, dass die Viren ihr eigenes Erbgut in das der bösartigen Zelle "einbauen", wird diese in eine "Virusfabrik" umfunktioniert. Sobald die neu gebildeten Viren freigesetzt werden, wird die Tumorzelle zerstört.

Nur in Einzelfällen erfolgreich

In einer Reihe von klinischen Studien konnten die Krebsforscher bereits feststellen, dass die Injektion hoher Mengen dieser Adenoviren Tumoren schrumpfen ließ. Diese Wirkung beschränkte sich allerdings nur auf Einzelfälle. Bei einem Großteil der Patienten blieb die Behandlung wirkungslos. Der Grund dafür ist, dass die Viren nur diejenigen Tumorzellen zerstörten, die in unmittelbarer Nähe der Injektionsstelle lagen. Gewebebarrieren innerhalb des Tumors konnten hingegen den weiteren Befall verhindern.

"Zukünftig soll daran geforscht werden, die Viren gentechnisch so zu verändern, dass sie in der Lage sind, den ganzen Tumor zu besiedeln und sich dort massiv auszubreiten", erklärt Kochanek die weiter Vorgehensweise. (red, derStandard.at, 27.11.2012)

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