Protest gegen Turnhallengebühr in Linz

22. November 2012, 18:40
11 Postings

Die Stadt will ab 2013 von ihnen eine Miete für die Benutzung ihrer Sporthallen einfordern

Linz/Wien - Die Stadt Linz muss sparen. Deshalb wird es ab nächstem Jahr einige Gratisleistungen nicht mehr geben. So wird das kostenlose Mittagessen in den Kindergärten - ein Wahlzuckerl aus dem Jahr 2009 - wieder zurückgenommen. Und die Sportvereine müssen für die Benutzung der städtischen Sporthallen Miete bezahlen. Diese geplante Einführung bringt die Vereine in Rage. Bei der Linzer ÖVP stößt ihr Protest auf Unterstützung.

Vizebürgermeister Erich Watzl hat bereits angekündigt, diesem Punkt im Haushaltsentwurf für 2013 nicht zuzustimmen. Die Vereine würden wertvolle Nachwuchsarbeit leisten, die mit einer finanziellen Mehrbelastung der Vereine in Gefahr gerate. So begründen auch die Vereine ihre Ablehnung. Täglich trudeln von ihnen bei der Stadt Petitionen ein. Darin werden "drastische Maßnahmen" angekündigt. Sogar von Einstellung der Nachwuchsarbeit ist die Rede.

Die regierende SPÖ und die Grünen werden jedoch im Dezember-Gemeinderat die Einführung einer Miete beschließen. Auch die bereits bestehende Benutzungsgebühr für städtische Kultureinrichtungen wie etwa den Wissensturm wird ab 2013 angehoben. Insgesamt soll dies der Stadt Linz 450.000 Euro im Jahr bringen. Aber nicht allein aus monetären Gründen werde die Gebühr geschaffen, erklärte Sportstadträtin Christiana Dolezal (SPÖ). 

Hallenzeiten oft ungenützt

In den letzten drei Jahren seien die Hallenzeiten zu mehr als 50 Prozent nicht genutzt worden, obwohl sie laut Plan von Vereinen hätten belegt sein müssen. Mit der Einführung einer Miete, so die Hoffnung, würde es zu einer effektiveren Ausnutzung der Hallen kommen. Als Richtwert für die Gebühr orientiere man sich an jenem Betrag, den der Bund grundsätzlich von den Vereinen für eine Gymnasiumshalle verlangt: zwischen 10 und 12 Euro pro Stunde. Dennoch werde die Stadt aber ein eigenes Mietschema erarbeiten und Vereine mit Nachwuchsförderung berücksichtigen, kündigt Dolezal an.

In Bregenz gibt es eine derartige Mietstaffelung längst. Je nach Größe der städtischen Halle liegt die Gebühr zwischen 4,20 und 22,70 Euro pro Stunde. Handelt es sich um Jugendarbeit, bekommt der Verein mehr als 50 Prozent der Hallenkosten aus der Sportförderung refundiert. In Graz, wo es nur Turnhallen in Schulen gibt, brauchen Kinder- und Jugendvereine gar nichts bezahlen.

In Salzburg müssen jene Vereine von vornherein nur die Hälfte des ohnehin schon gewährten Sondertarifs zahlen, wenn es sich um Kinder- und Jugendtraining handelt. Üblicherweise kostet einen Stunde in einer Salzburger Halle 23,49 Euro. Für Vereine, die in Dachverbänden wie Askö oder Union organisiert sind, kostet die Stunde nur 4,70 Euro. Für das Turnen mit dem Nachwuchs zahlen alle nur 2,34 Euro die Stunde. In Wien werden grundsätzlich nur noch Sportvereine, die einem Verband angehören, gegen Gebühr in eine städtische Halle gelassen.

Trotz Budgetnot gratis

Ein deutliches Nein zur Hallenmiete kommt aus St. Pölten. Die dortigen Vereine können in städtischen Hallen kostenlos trainieren. "Trotz Budgetnot wird nicht daran gedacht, das zu ändern", heißt es dazu aus dem Büro des Bürgermeisters Matthias Stadler (SPÖ). Auch im Budget 2013 sei dies vorgesehen. Der Grund dafür sei die "irrsinnige soziale Bedeutung" von Vereinen. Das Gleiche gilt auch für Innsbruck, allerdings unter einer Bedingung: Der Verein muss einem Dachverband angehören. (cms, ker, ruep, spri, ver/DER STANDARD, 23.11.2012)

 

Share if you care.