Deutschland: Qualifizierte oft nur Geringverdiener

21. November 2012, 15:55
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Fast 20 Prozent der deutschen Vollzeitkräfte mit Abschluss sind im Niedriglohnsektor

Berlin - Qualifizierte Arbeitnehmer mit Vollzeitjob und Berufsabschluss arbeiten einer Studie zufolge immer häufiger für einen Niedriglohn. 2010 hätten in Deutschland insgesamt 2,4 Mio. Vollzeitbeschäftigte mit beruflicher Ausbildung zu den Geringverdienern gezählt, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Allein in Westdeutschland etwa sei in den vergangenen Jahren der Anteil der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung, die für einen Niedriglohn arbeiteten, um 8,7 Prozent gestiegen.

Bundesweit hätten 2012 rund 19,1 Prozent der Vollzeitarbeitnehmer mit Berufsabschluss für einen Niedriglohn gearbeitet, wenn eine einheitliche Niedriglohnschwelle von um die 1.800 Euro brutto zugrunde gelegt wird, teilte der DGB mit. In Ostdeutschland waren demnach 19,2 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit mit Abschluss Niedriglöhner, im Westen 16,6 Prozent. Dies galt den Angaben zufolge, wenn für Ostdeutschland eine Niedriglohnschwelle von 1.379 Euro definiert und diese für Westdeutschland bei 1.890 Euro festgelegt wurde.

DGB-Arbeitsmarktexperte und Studienautor Wilhelm Adamy erklärte, die hohe Zahl und der steigende Anteil an Niedriglohnempfängern mit Abschluss passten nicht zu den Klagen der Wirtschaft über Fachkräftemangel. Diese seien eher ein Anzeichen dafür, dass die Qualifikation vieler Niedriglohnempfänger nicht angemessen abgerufen und dass Ausgebildete "nicht qualifikationsgerecht vergütet" würden. Der DGB untersuchte für die Studie Entwicklungen im Niedriglohnbereich zwischen 1999 und 2010. (APA, 21.11.2012)

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