Flughafen Salzburg: Eine Frage der Perspektive

Kommentar19. November 2012, 18:09
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Die Formulierung im Demoaufruf, nach der "nur die Salzburger und benachbarte Bundesländer den wirtschaftlichen Erfolg einfahren", ist schlichtweg falsch

Mit der Mobilität ist das so eine Sache. Ist man selbst mobil - sitzt man im Auto, im Zug oder im Flugzeug -, wird Mobilität subjektiv meist als notwendig und positiv empfunden. An die lärm- und abgasgeplagten Anrainer denkt man so gut wie nie. Sind andere mobil - mit Auto, Zug oder Flugzeug -, ist dies unnotwendig und störend. Man ist ja lärm- und abgasgeplagter Anrainer.

Eine Binse? Gewiss. Aber selten wird diese so deutlich wie bei der von den bayerischen Anrainern des Salzburger Flughafens für Samstag angekündigten Protestaktion. Mit dieser sollen massive Beschränkungen des Flugbetriebs erzwungen werden. Gern wird in diesem Nachbarschaftskonflikt verschwiegen, dass selbstverständlich auch die Bayern vom Airport in der Stadt Salzburg (mit)profitieren. Die Formulierung im Demoaufruf, nach der "nur die Salzburger und benachbarte Bundesländer den wirtschaftlichen Erfolg einfahren", ist schlichtweg falsch.

Viele Bayern fliegen von Salzburg aus zu einem Geschäftstermin, oder sie starten von hier in ihren wohlverdienten Urlaub. Immerhin kommt rund ein Drittel der abfliegenden Passagiere aus dem bayerischen Umland, wie anhand einer Zählung der Autokennzeichen in den Parkhäusern von der Flughafengesellschaft festgestellt wurde. Außerdem bedient der Flughafen natürlich auch die Urlaubsgebiete jenseits der Grenze und versorgt diese mit zahlungskräftigen Gästen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 20.11.2012)

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