Syrischer Familie droht Abschiebung aus Kärnten

16. November 2012, 19:20
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Bundesasylgerichtshof erklärt sie zu Staatenlosen, weil sie kurdischen Dialekt sprechen

Klagenfurt - Eine fünfköpfige jesidische Flüchtlingsfamilie aus Syrien soll demnächst aus Kärnten abgeschoben werden. Freiwillig zurückkehren wollte die Familie nicht. Die Aufenthaltsbewilligung ist in der Nacht auf Samstag erloschen.

Abschiebung jederzeit möglich

Jetzt sei jederzeit eine Abschiebung möglich, kündigte die Fremdenpolizei dem Vater, Sleman S. an. Die Mutter, Gule S., befindet sich allerdings nach drei Selbstmordversuchen auch als Folge der Negativbescheide in der geschlossenen Psychiatrie im Krankenhaus Wolfsberg. Das jüngste Kind ist acht Monate alt. Die beiden anderen Kinder der Familie S., zehn und neun Jahre alt, sind bestens integriert und äußerst intelligent. So konnten die Geschwister heuer sogar jeweils eine Schulklasse überspringen. Der Bub ist auch im örtlichen Fußballverein aktiv.

Da die Familie nur Kurmandschi, einen kurdischen Dialekt spricht, wurde sie vom Bundesasylgerichtshof "wahrscheinlich" Armenien zugeordnet und wegen der territorialen Unsicherheit für staatenlos erklärt. Das dürfte auch der Grund für die negativen Asylbescheide gewesen sein.

Psychiater fordert humanitäres Bleiberecht

Laut Gutachten des behandelnden Psychiaters Manfred Huemer ist es gänzlich ausgeschlossen, dass die Mutter in Schubhaft genommen werden kann. Bei psychiatrischen Notfällen sei eine Abschiebung unzulässig. Huemer hat nun ein Schreiben mit der Bitte um humanitäres Bleiberecht an Bezirkshauptmann Arthur Traußnig gerichtet. Laut dem Kinderschutzzentrum Delfi sei es den Kindern nicht zumutbar, ihre Mutter zurückzulassen, während sie und ihr Vater selbst nicht wissen, in welchem Land sie leben können. Im Kärntner Flüchtlingsreferat weiß man nichts von einer bevorstehenden Abschiebung. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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