Bildung als Motor für den Kapitalmarkt

13. November 2012, 10:55
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Der heimische Finanzplatz braucht frischen Wind. Den machen Experten nun in den Schulen aus

Die Finanzindustrie hat ein neues Thema entdeckt. Seit geraumer Zeit wird bei jeder erdenklichen Möglichkeit darauf verwiesen, dass der Kapitalmarkt - unter anderem - deswegen nicht wieder in Schwung kommt, weil die Menschen im Grunde zu wenig von Aktien, Fonds, Börsen und dem gesamten Finanzmarkt verstehen.

Zu den Wissenslücken gesellen sich auch viele schlechte Erfahrungen, was die tausenden Anlegerklagen in den Fällen Amis, Immofinanz, Meinl European Land, AvW Invest oder jene gegen den Strukturvertrieb AWD, zeigen. Da diese Verfahren zum Teil schon seit mehr als fünf Jahre laufen und eine Einigung nicht in Sicht ist, halten sich viele mit ihrem Engagement zurück. In Summe eine schlechte Kombination, um das Interesse für den Finanzmarkt zu wecken, wachzuhalten oder das verlorengegangene Vertrauen wiederherzustellen.

Eine Stelle für rasche Schlichtungen bei Anlegerverfahren gibt es derzeit nicht, die Umsetzung einer solchen hat wohl auch nicht oberste politische Priorität. Damit können Verfehlungen oder schlechte Erfahrungen auch nicht schnell vergessen werden. Auch das wird jene Anleger, die sich die Finger verbrannt haben, wohl von weiteren Investments abhalten.

Also muss das Bildungssystem herhalten. Würde man den Kindern von klein auf beibringen, wie der Kapitalmarkt funktioniert, dass Aktien eine langfristige Unternehmensbeteiligung sind und keine Zockerpapiere sein sollten, dass die Diversifikation bei Fonds von Vorteil sein kann etc., dann würden sich mehr Leute trauen, das Börsenparkett zu betreten - so die Hoffnung.

Bildung und Wissen als Motor für die Ankurbelung der Finanzindustrie? Eine Frage, der der GELDSTANDARD im Rahmen einer Serie nachgehen wird. Was tun Schulen bereits? Welches Engagement betreiben Börse, Banken und andere Finanzunternehmen, um die Bildung in diesem Bereich zu stärken? Wie sehen Schulen dieses externe Engagement, und was sagt das Bildungsministerium zu der Forderung nach mehr Finanzbildung im Lehrplan?

Was dabei nicht unbeleuchtet bleiben soll, ist der Umgang mit Geld per se. Wie können Eltern ihren Kindern den sicheren Umgang mit Geld beibringen, damit zum Veranlagen überhaupt etwas übrigbleibt? Denn in der vielzitierten Veranlagungspyramide steht Festgeld und Sparbuch an unterster Stelle. Der sogenannte Notgroschen sollte in jedem Fall gebildet werden. Als Faustregel wird empfohlen, zwei bis drei Nettogehälter auf die Seite zu legen, um beispielsweise bei einer kaputten Waschmaschine nicht in finanzielle Turbulenzen zu geraten. Erst dann sollte langsam begonnen werden, an den Kapitalmarkt zu denken.

Was aber, wenn es für den Notgroschen schon nicht reicht? Dann ist an ein Investment erst recht nicht zu denken. Viele Österreicher finden sich aber genau in dieser Situation wieder. Daher geht es im ersten Teil der Serie um die Verschuldung im Lande. Wer ist wie betroffen, und welche Wege können aus der Schuldenkrise führen? (Bettina Pfluger, DER STANDARD; 20.9.2012)

 

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