Justiz knöpft sich Modekonzern vor

6. November 2012, 19:13
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Im Gegensatz zu früheren Fällen in der Modebranche sorgt der Fall Marzotto für allgemeine Empörung

Italiens Steuerfahnder haben neuerlich zugeschlagen. Im Visier steht diesmal eine der renommiertesten Unternehmerfamilien Italiens: die Marzottos aus Valdagno (Venetien). Die Traditionsfamilie hatte im Jahr 2007 ihre Edelmarke Valentino an den Private Equity Fonds Permira verkauft. Dabei wurde der Gewinn nicht korrekt versteuert. Das heißt er wurde laut den Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft überhaupt nicht versteuert.

Denn der Verkauf erfolgte über eine eigens dafür gegründete Luxemburger Holding, die den Erlös von über 200 Millionen Euro in das Steuerparadies der Cayman Inseln transferierte. Auch Steuern für Immobilien und Beteiligungen sollen hinterzogen worden sein. Gegen dreizehn Personen, darunter sieben Familienmitglieder des 1836 gegründeten Marzotto-Imperiums, wird ermittelt. Mehrere Luxusvillen der Familie, unter anderem in Cortina und in Venedig, sowie Unternehmensbeteiligungen im Wert von 65 Millionen Euro wurden beschlagnahmt.

Neu ist der Umgang der Öffentlichkeit mit dem Fall. Vor einem Jahr wurde ein Steuerskandal publik, in den auch das Stylisten-Paar Dolce & Gabbana verwickelt gewesen sein soll. Damals wurde die Causa von der italienischen Presse weitgehend totgeschwiegen. Die diesbezüglichen Ermittlungen laufen noch.

Die Modestylisten haben einen potenten Steueranwalt. Es handelt sich um die Kanzlei des ehemaligen Wirtschaftsministers Tremonti. Aber auch die angeblichen Steuereskapaden des Mailänder Modezars Giorgio Armani laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Angeblich sollen sowohl Dolce & Gabbana als auch Armani Medien gedroht haben, ihre Werbeeinschaltungen zu kürzen, sollte über ihre Steuermoral breit berichtet werden.

Bessere Steuermoral

Dieses Mal ist es anders. Marzottos angeblicher Steuerbetrug sorgt für allgemeines Aufsehen und für Empörung. Beobachter meinen, die Steuermoral in Italien ändere sich langsam. Die Regierung unter Ministerpräsident Mario Monti hat den Kampf gegen Steuerhinterziehung zu einem ihrer Schwerpunkte erklärt. Die Finanz schätzt, dass der wirtschaftliche Schaden bei 120 Milliarden Euro im Jahr liegt.

Die Gruppe Marzotto kontrolliert unter anderem auch die Marke Hugo Boss. Der Konzern beschäftigt über 4000 Personen und meldet einen Jahresumsatz von 316 Millionen Euro. Ein Anwalt der Familie erklärte, die Beschlagnahmungen erfolgten "absolut grundlos".

Mehrere Immobilien der Familie Marzotto und Beteiligungen im Wert von 65 Millionen Euro wurden von der Steuerpolizei beschlagnahmt - im Bild die Villa Trissino in Vicenza. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 7.11.2012)

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