Der neunte Rang und Salzburgs Anspruch

5. November 2012, 20:06
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Der Ex-Meister sucht den Anschluss - "Charakter muss sich erst wieder bilden"

Salzburg/Wien - "Selbst ein Fußballtor", sagt Thomas Raffl, "wäre zu klein für uns." Soll heißen, dass Salzburgs Eishockey-Abteilung, für die Raffl stürmt, derzeit ein großes Problem damit hat, den Puck in den Kasten zu befördern, es klingeln zu lassen, zu scoren, einzunetzen. Nach dem 1:4 daheim gegen Villach, nach 19 Runden der Erste Bank Liga, liegen die Red Bulls nur an neunter Stelle, außerhalb der Playoff-Ränge. Viele meinen, es bleibe noch genügend Geld für Verstärkungen und genügend Zeit, die Zwischenrunde der ersten Sechs zu erreichen, im Playoff beginne sowieso alles bei Null. "Doch das ist genau die Mentalität, mit der dann gar nichts klappt", sagt Kapitän Matthias Trattnig.

Viermal war Salzburg Meister (07, 08, 10, 11) und von 2006 bis 2011 stets im Finale. Heuer im Frühjahr riss mit dem Viertelfinal-Out gegen den KAC zunächst die Serie, und dann riss wohl an verantwortlicher Stelle die Geduld. Es blieb in Salzburg kaum ein Stein auf dem anderen. " Wir haben eine komplett neue Mannschaft", sagt Trattnig. "Es wurden 18 Ausländer geholt, drei von ihnen sind schon wieder weg." Kaum ein Spieler bekam einen längerfristigen Vertrag, die meisten unterschrieben für eine Saison. Trattnig: "Normalerweise bilden einige Spieler den Kern und sorgen dafür, dass die Mannschaft einen Charakter hat. Der Charakter muss sich erst wieder bilden." Das sei nicht als Kritik an Red Bull oder Trainer Pierre Pagé zu verstehen. "Aber man braucht eine solide Basis."

Jedenfalls ist der Salzburger Anspruch unverändert hoch, man will um den Titel mitspielen, man will international reüssieren. Die derzeitigen Ergebnisse passen gar nicht dazu. "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen", sagt Trattnig. Beim 4:0 gegen die Vienna Capitals erinnerten die Bullen an gute Zeiten. Da glaubte man an die Wende, dann kam gegen Villach der nächste Dämpfer. Gebetsmühle Trattnig: "Jeder muss für die Mannschaft spielen, alle müssen defensiv arbeiten."

Team probt Ernstfälle

Eine Chance für Salzburg ist vielleicht die Liga-Pause, die sich durch einen Termin für die Nationalteams ergibt. Österreich spielt ab Donnerstag in Ljubljana gegen Frankreich, Italien und Slowenien. Zu testende Ernstfälle sind die Olympia-Quali im Februar in Bietigheim und die A-WM im Mai in Helsinki. Bleibt zu hoffen, dass der NHL-Lockout endet - damit die Gegner, allen voran Deutschland, nicht mit einer Reihe NHL-Cracks daherkommen. (Fritz Neumann, DER STANDARD - 6.11. 2012)

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    Pierre Pagé (Mitte) tauschte viele Spieler aus.

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