Laos begann mit Bau von umstrittenem Staudamm am Mekong

5. November 2012, 10:40
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Hunderte Dorfbewohner bereits umgesiedelt - Umweltorganisationen warnen vor Bedrohung der Ernährungssicherheit von Millionen Menschen

Vientiane - Die Regierung von Laos hat grünes Licht für den umstrittenen Xayaburi-Staudamm am Mekong gegeben. An diesem Mittwoch finde symbolisch der erste Spatenstich statt, sagte der Vize-Energieminister Viraphonh Viravong am Montag in der Hauptstadt Vientiane. Der Xayaburi-Damm im nördlichen Laos ist der erste von elf geplanten Staudämmen am Mekong. Der erzeugte Strom soll zu 95 Prozent nach Thailand geleitet werden.

Die Vorarbeiten zu dem 800 Meter langen Damm, der etwa 150 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Vientiane liegt, laufen seit Monaten. Hunderte Dorfbewohner wurden schon umgesiedelt. Laos hatte den Baustart wegen Bedenken der Mekong-Anrainer Kambodscha und Vietnam mehrfach verschoben. Sie fürchten um den Fischfang und die Felder am Mekong, die bisher durch regelmäßige Überflutungen höchst fruchtbar waren. Umweltorganisationen warnen vor unabsehbaren Folgen für Millionen Flussbewohner.

Fischbestände bedroht

"Laos droht zum Totengräber für den Unterlauf des Mekong zu werden. Das Projekt könnte einen gefährlichen Dominoeffekt auslösen", warnte Stefan Ziegler, Referent für Südostasien und die Mekong-Region beim WWF.

Allein am unteren Mekong-Becken planen Laos, Thailand, Vietnam und Kambodscha laut WWF den Bau von elf Wasserkraftanlagen im Hauptstrom, weitere 77 sind für die Nebenflüsse vorgesehen. Sollten diese realisiert werden, rechnen die Umweltschützer mit einem enormen Rückgang der Fischbestände. Dadurch drohen die Erträge aus dem Fischfang um bis zu 40 Prozent zurückzugehen.

Grundversorgung gefährdet

In Kambodscha deckt die Bevölkerung 82 Prozent ihres Proteinbedarfs aus Fischfang aus dem Mekong. Die Xayaburi Wasserkraftanlage stelle daher "die größte, grenzüberschreitende Bedrohung für die Ernährungssicherheit sowie den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Länder Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam dar", so der WWF. Die Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aus Fischerei und Landwirtschaft sei durch das Projekt "stark gefährdet".

Der Mekong ist mit etwa 4.500 Kilometern Länge der zehntgrößte Fluss der Welt. Seine Artenvielfalt wird nur vom Amazonas übertroffen. Besonders wichtig für die etwa 60 Millionen Menschen dieser Region ist der Fischreichtum des Flusses, denn er stellt ihre Haupteiweißquelle dar. Eine der bekanntesten Arten ist der sagenumwobene Irawadi-Delfin. Heute werden weniger als 100 Exemplare im Mekong vermutet. (APA/red, 5.11.2012)

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    Der Xayaburi-Damm ist der erste von elf geplanten Staudämmen am Mekong.

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    Umweltaktivisten und Flussanrainer demonstrieren gegen den Staudammbau im April 2012.

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