Rail Cargo stellt Weichen auf Auslagerung

28. Oktober 2012, 18:53
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Rail Cargo Austria und der Logistiker JCL der Familie Jöbstl peilen ein Joint Venture an, das im Dezember besiegelt werden soll

Wien - Die ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) und das Grazer Logistikunternehmen JCL der Familie Jöbstl sind bei ihrer Zusammenarbeit weiter als bisher zugegeben. RCA und JCL diskutieren nämlich nicht nur über lose "Zusammenarbeitsmodelle im Bereich Kontraktlogistik" (Stückgut, Bahn-Express). Sie haben Anfang Oktober bereits eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zur Gründung eines Joint Ventures unterfertigt, an dem beide Partner halbe-halbe beteiligt sind.

Auch der Zeitplan ist laut dem Standard vorliegenden Unterlagen aus dem RCA-Aufsichtsrat straff gesteckt: Ab November werden Datenräume bereitgestellt, damit beide Unternehmen die Zahlen der Gegenseite vertieft prüfen können (Due Diligence). Am 30. November soll ein " Verbindliches Angebot" gelegt und der Deal am 17. Dezember - vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden - besiegelt werden (Signing).

Wobei noch viele Fragen offen sind, wie ÖBB-Sprecherin Sonja Horner betont, ohne Details zu nennen. Man verhandle mit mehreren Interessenten und habe Stillschweigen vereinbart. Laut Information an den Aufsichtsrat steht das gesamte Geschäftsfeld Kontraktlogistik (KL) samt Teilbereich EC Logistik (in Wels) und KL-Auslandstöchter zur Disposition. Alternativ könnten aber auch nur Teilbereiche mit den Geschäftsaktivitäten der JCL Logistics Austria GmbH in ein gemeinsames Unternehmen verfrachtet werden, an dem RCA und JCL je 50 Prozent halten und das sich in die ÖBB-Standorte einmietet.

Closing im September

Ziel ist jedenfalls, dass 925 Beschäftigte von der RCA-Payroll verschwinden. Das Closing wird bis 30. September 2013 angestrebt. "Es ist alles offen", betont die ÖBB-Sprecherin und verweist auf "das gemeinsame Ziel, die Stärkung der gemeinsamen Position in der Kontraktlogistik in Österreich und die Einbindung in ein internationales Netzwerk".

Klappt der Deal, würde die deutlich kleinere JCL Logistik Austria mit 120 Mio. Euro Umsatz, 300 Beschäftigten und Standorten in Wolfurt, Höchst, Kalsdorf, Feldkirch und Krems mit dem RCA-Problemteil Stückgut (190 Mio. Euro Umsatz, 925 Mitarbeiter, davon 587 definitiv gestellte Eisenbahner) verschmolzen. Gegenüber den Vorjahren steht das notorisch in der Verlustzone kurvende Geschäftsfeld KL vergleichsweise gut da: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebit) soll sich laut Plan heuer von minus 18,4 auf minus 9,6 Mio. Euro verbessern. Davon drei Millionen sind Restrukturierungsrückstellungen. 2011/12 wurden der Eigenfuhrpark und Verladestellen wie Hirschstetten, St. Pölten, Wiener Neustadt und Graz-Werndorf aufgelassen und auf Straßentransport umgestellt.

Ein Problem gilt es freilich noch zu lösen: Zur Sicherung des Betriebes bis 2015/16 müsste die ÖBB für das Gemeinschaftsunternehmen gut 40 Millionen Euro Mitgift für Investitionen (in Standorte wie Wien-Inzersdorf und IT-Systeme) und Personalüberkapazitäten lockermachen. Woher die kommen sollen, ist fraglich. Denn RCA musste eben hunderte Güterwagen an ihre Tochter Industriewaggon GmbH verkaufen, um ihren zu dünn gewordenen Eigenkapitalpolster aufzufüllen.

Politisch ist der Deal übrigens pikant. Als Dealmaker gilt JCL-Aufsichtsratsmitglied Stefan Delacher, ehemals Großspediteur (verkaufte sein Unternehmen vor Jahren an die Thiel-Gruppe) mit gutem Draht zu Neo-RCA-Vorstandsdirektor Arnold Schiefer, der einst Straßensektionschef unter Monika Forstinger (FPÖ) war und danach ein Vorstandsmandat im Teilkonzern ÖBB-Infrastruktur bekam. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; 29.10.2012)

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    Die Österreichische Bundesbahn will die Kontraktlogistik in ein internationales Netzwerk einbinden.

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