Das doppelte Verlottchen und andere schöne Volksmärchen

26. Oktober 2012, 20:47
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Von Julya Rabinowich

Ich fühle mich ein wenig wie Sisyphus. Jedenfalls im Hinblick auf die grassierenden und unfassbaren Zustände, die in Kärnten entstehend und aus Zentralkärnten kommend nach Restösterreich hinüberschwappen, um - mit neuen Strömungen verstärkt - wieder zurückzufließen.

Und ich kann dann nicht darüber schreiben und fürchte, es könnte eventuell bald langweilig werden, denn es wiederholt sich und wiederholt sich. Aber dann muss ich auch darauf hinweisen, dass es sich nicht nur wiederholt, sondern bei jeder Karussellfahrt rundum auch noch verschlimmert, quasi eine Art Eskalationsschraube bildet, und die Schraube wird bald so groß sein wie die eines Schiffes und nicht wie jene, mit denen man Regale an der Wand befestigen kann.

Ganz zu schweigen von Nägeln mit Köpfen. Die Aktionen der Kärntner Regierung haben nur eine erkennbare Strategie: bei Skandalen mit Gegenskandal, bei Aufdeckungen mit Ablenkaktionen zu reagieren. Diese Aktionen der FPK bieten wenig, das Hand und Fuß, geschweige denn einen Kopf erkennen lässt.

Aber klagen kann dieses etwas Kopflose, das einem Hören und Sehen vergeht. Dafür gibt es einen blauen Geldtopf, aus dem heraus nun, der Funktion von Pandoras Box folgend, beim Anheben des Deckels die haarsträubendsten Klagen in die schöne weite Welt entlassen werden. Dieser geheimnisumwitterte Topf scheint ob der hohen Klagsaktivität jenem Topf am Ende des Regenbogens verwandt zu sein, den so viele suchten und so wenige fanden. Aber in dem war vermutlich unter anderem auch kein Steuergeld versenkt.

Das - selbst auf Gelder von außen angewiesene, aber gegen den ESM-Schirm klagende - Kärnten als gallisches Dorf zu verkaufen ist gewagt. Die Gallier waren hinter Majestix geeint, agierten sozial, ohne national davor zu führen, und wurden von einem weisen alten Mann unterstützt. Bis Dörfler einen auch nur halb so langen weißen Bart zustande gebracht hat, ist er längst in der üppig bezahlten Politpension, während die Kärntner Bevölkerung weiter unter hoher Arbeitslosigkeit und keinen Zukunftschancen leiden wird.

Der Zauberer von Oz eignet sich auch wenig als Sinnbild der Kärntner Zustände: Die Vogelscheuche, die als Vorbild für politisch Naive fungieren sollte, hat sich wenigstens ein Hirn gewünscht. Und rote Schuhe trägt von den Herrschaften in Kärnten auch keiner. Nur rote Zahlen.

Im Unterschied dazu steht das Rumpelstilzchen mit der Kammer voll Gold und Strohsack bereits in den Startlöchern und kauft sich einen Abgeordneten nach dem anderen. Das nächste Jahr könnte - auch ohne Maya-Kalender - eine interessante Zeit werden. Was, wie schon einmal erwähnt, ein alter chinesischer Fluch ist.  (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 27./28.10.2012)

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