Rapids Mutprobe und das andere Gesicht

24. Oktober 2012, 12:17
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Rapid kickt heute Abend in der Europa League gegen Bayer Leverkusen. Im fast ausverkauften Happel-Stadion ist laut Trainer Peter Schöttel "Mut" gefragt. Man möchte das Derby "vergessen" und in der Gruppe K endlich "anschreiben"

Wien - Steffen Hofmann trägt eine Schutzbrille. Der Augenarzt hat ihm am Mittwoch die Erlaubnis erteilt, wieder mit der Mannschaft trainieren zu dürfen. Rapids Kapitän ist am Donnerstagabend im Happel-Stadion anwesend. Ein Mitwirken als Fußballer gegen Bayer Leverkusen ist allerdings ausgeschlossen, Trainer Peter Schöttel hat sich festgelegt. "Es wäre unverantwortlich. Bei uns wird ja auch keiner fitgespritzt."

Hofmann hat eine "echt blöde Verletzung" erlitten, wobei "kluge Verletzungen" ein Paradoxon sind. Im Training wurde er von einem Ball im Gesicht getroffen. Der sogenannte gelbe Fleck wurde dabei beschädigt, die Sehschärfe war beeinträchtigt. Mehr als zwei Wochen musste er körperliche Anstrengungen meiden, damit der Druck im Kopf nicht erhöht wird. "Fragt mich nicht, wie das medizinisch zu erklären ist. Man kann es ja unter gelber Fleck googeln. Es ist jedenfalls nicht wirklich schön, wenn man etwas mit den Augen hat."

Derby-Katastrophe offiziell vergessen

Rapid tritt gegen Leverkusen trotzdem an. Daran konnte auch die indiskutable Leistung im Derby gegen die Austria nichts ändern. Das 0:2 wurde zunächst intern aufgearbeitet und danach offiziell vergessen. Schöttel: "Es war richtig schlecht, uns hat der Mut gefehlt, wir sind nur auf dem Boden gesessen, waren nie in Ballbesitz. So etwas habe ich noch nie erlebt." Stürmer Deni Alar sagt: "Wir wollen und müssen gegen Leverkusen alles besser machen."

Natürlich sind die Deutschen Favorit. Obwohl Sascha Lewandowski - er bildet mit Teamchef Sami Hyypiä das Trainerduo - warnt: "Das wird eine enge Kiste. Die Rapid-Fans sind sehr fanatisch." Offensivkraft Andre Schürrle hat Respekt: "Wir dürfen das Ganze nicht unterschätzen, wir müssen Taten setzen."

Schöttel informierte sich bei Ivanschitz

Schöttel hat sich über den Tabellenfünften der Bundesliga genau informiert, zur Recherche gehörte auch ein ausführliches Telefonat mit Andreas Ivanschitz. "Leverkusen praktiziert ein sehr interessantes System." In Zahlen bedeutet das 4-3-2-1, die drei zentralen Mittelfeldspieler sind eher defensiv orientiert, sie schaffen allerdings Platz für die offensiven Außenverteidiger. Die Sturmspitze heißt Stefan Kießling, der deutsche Fußball hat momentan kaum Gefährlicheres zu bieten. Schöttel: "Mir wäre es recht, würde er auf der Bank sitzen."

Leverkusen gastiert am Sonntag bei Bayern München (Rapid empfängt übrigens Salzburg), vielleicht wird die eine oder andere Stütze geschont. Schöttel: "Vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlich nicht. Sicher nicht."

Hofmann drückt die Daumen

42.600 Karten wurden abgesetzt, aus Deutschland reisen 700 Fans an. Schöttel spricht nicht "von der letzten Chance in der Europa League", das wäre zu kühn. "Ich will nur, dass wir ein anderes Gesicht zeigen und mutig sind. Wir müssen die Zuschauer von der ersten Minute an ins Boot holen." Rapid ist in der Gruppe K nach zwei Niederlagen erstens punktlos und zweitens Letzter. "Wir wollen anschreiben."

Neben Hofmann steht auch Guido Burgstaller nicht zur Verfügung. Er wurde beim 0:2 in Charkiw nach einem wahnwitzigen Frustfoul in der Nachspielzeit ausgeschlossen und für zwei Partien gesperrt. Schöttel, prinzipiell kein nachtragender Mensch, bedauert das sehr. "Ich bin ihm immer noch böse, er wäre gerade gegen Leverkusen sehr wichtig gewesen."

Hofmann sagt: "Ich drücke die Daumen. Es wird sicher besser als das Derby." (Christian Hackl, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

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    Für Peter Schöttel und seine Rapid geht es diese Woche eigentlich schon ums Ganze: Leverkusen wartet am Donnerstag, Salzburg am Sonntag.

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    Leverkusen-Coach Lewandowski: "Das wird eine enge Kiste. Die Rapid-Fans sind sehr fanatisch."

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