Von guten und schlechten Viren

23. Oktober 2012, 17:44
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Mit neuen Technologien Leben zu retten ist das Ziel der Siegerprojekte von "Best of Biotech" - Letzte Woche ging der Wettbewerb ins Finale

Seit Jahrzehnten stellt der Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine der häufigsten Todesursachen in den Ländern westlicher Zivilisation dar. Die Schulmedizin hat darauf vor allem mit einer Methode reagiert: radioaktive Bestrahlung. "Wir haben die Krebspatienten in den letzten Jahren vergiftet", meint Regina Hodits, die für das Unternehmen Wellington Partners in Life Sciences tätig ist. "Die Zeit ist reif für neue Ansätze." Damit begründete Hodits die Zuerkennung des ersten Preises des Wettbewerbs "Best of Biotech", als dessen Jurysprecherin sie fungierte, an das Projekt Vira Therapeutics. Letzten Donnerstag wurden die Sieger des Bewerbs im Wiener Palais Ferstel prämiert.

"Best of Biotech" wird vom Wirtschaftsministerium finanziert, vom Austria Wirtschaftsservice organisiert und ist dieses Jahr in die sechste Runde gegangen. 26 internationale Projekte im Bereich Pharma, Medizintechnik und Ernährungswissenschaften traten mit 35-seitigen Businessplänen gegeneinander an. Mit Workshops und Coaching-Sessions wurde ihnen ermöglicht, sich während der Dauer des Wettbewerbs, der schon im Februar angelaufen ist, noch zu verbessern.

Dorothee von Laer, Professorin an der Medizinischen Universität Innsbruck, kann sich als Projektleiterin von Vira Therapeutics über den ersten Preis freuen. Sie und ihr Team haben ein Virus entdeckt, das zwar für den Menschen harmlos ist, für Krebsgewebe aber eine Bedrohung. Das Virus VSV-GP vermehrt sich in den bösartigen Geschwüren und kann sie letztlich zerstören.

Wie Lisa Egerer erzählt, die auch an dem Projekt mitarbeitet, ist schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt, dass Viren bei der Behandlung von Krebs eingesetzt werden können. Erst in den letzten zehn bis 15 Jahren habe das Feld "richtig Fahrt aufgenommen", da nun die genetische Veränderung möglich ist. Auch bei VSV-GP handelt es sich um ein genetisch verändertes Virus.

Krebs im Spätstadium

Prinzipiell sollte das Virus zur Behandlung jedes Tumors eingesetzt werden können. Im Tierversuch konnte seine Wirksamkeit bereits für Hirntumore, Hautkrebs und Eierstockkrebs nachgewiesen werden. Die erste Anwendung beim Menschen soll beim Melanom getestet werden. Während Krebs bisher vor allem nur im Frühstadium effektiv behandelt werden kann - sobald sich Metastasen gebildet haben, kann oft nur eine Lebensverlängerung, aber keine Heilung erwirkt werden -, könnten die Viren auch bei der Behandlung von Krebs im Spätstadium wirksam sein.

"Das Virus findet den Weg im Körper zum Krebs und zu den Metastasen", sagt Egerer. Die vom Unternehmen Boehring Ingelheim gesponserten 15.000 Euro an Preisgeld werden die Firmengründung bis Jahresende erleichtern. Derzeit wird noch nach Investitionspartnern gesucht. Vira Therapeutics ist bereits mit einem amerikanischen Pharmakonzern in Verhandlungen, würde aber Angebote aus Österreich sehr begrüßen.

Viren standen ebenfalls im Zentrum eines weiteren Siegerprojekts. Das ungarische Projekt Hand-in-Scan durfte sich über den mit 10.000 Euro dotierten Medtech-Award freuen, der vom Cluster Life Sciences Vienna gesponsert wurde. Im Gegensatz zu Vira Therapeutics geht es dabei um die Eindämmung von Viren und anderen Krankheitserregern. Mit digitaler Bildgebungs-Technik und UV-Strahlung wird die Sauberkeit der Hände geprüft.

Schmutzfingeralarm

Wenn sich auch nach dem Waschen noch Krankheitserreger auf den Händen befinden, schlägt der Hand-in-Scan Alarm. Bei flächendeckendem Einsatz könnten weltweit 200.000 Menschenleben pro Jahr gerettet werden.

Leben zu retten ist auch das erklärte Ziel von Sim Characters. Das Wiener Projekt entwickelt Patientensimulatoren, mit denen medizinisches Personal vor allem den Umgang mit Frühgeborenen trainieren kann. Wenn Babys zu früh zur Welt kommen, zählen Sekunden, in denen sich entscheidet, ob der junge Patient gerettet werden kann. Die Jury vergab dafür den zweiten Preis.

Der dritte Preis ging an das Wiener Projekt EveliQure. Das Unternehmen hat einen Impfstoff entwickelt, der bei Durchfall bei Reisekrankheiten, aber auch für Kinder in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen soll. Es handelt sich dabei um eine neue Kombination von Komponenten verschiedener Impfstoffe. Vor allem die Leben der jungen Patienten aus ärmeren Ländern sollen dadurch gerettet werden können. (Tanja Traxler , DER STANDARD, 24.10.2012)

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    Mit Viren aller Art setzten sich die Projekte des Wettbewerbs "Best of Biotech" auseinander - mit nützlichen Viren, die Krebs heilen können, aber auch mit Krankheitserregern. Im Bild: das tödliche SARS- Virus.

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