Experte: Strom-Flatrate nimmt Anreiz zu sparen

18. Oktober 2012, 20:34
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"Nach dem Motto, du zahlst 50 Euro, egal wie viel Strom du verbrauchst. Das wäre eine Katastrophe", meint RWE-Aufseher Fritz Vahrenholt

Innsbruck - Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das weit über die Grenzen Deutschlands ausstrahlt, sei dringend reparaturbedürftig, erklärte der Aufsichtsratschef von RWE Innogy, Fritz Vahrenholt, am Donnerstag beim Energie-Kongress im Gespräch mit dem Standard. "Österreich hat es besser gemacht und von Beginn an einen Deckel bei der Förderung erneuerbarer Energien draufgesetzt. Das muss auch bei uns kommen. Die Kosten laufen aus dem Ruder und jedes Jahr, in dem das bestehende EEG unverändert fortwirkt, wird es schlimmer", so der Energieexperte.

In der Sparte RWE Innogy hat der deutsche Stromriese, der in Kärnten an der Kelag beteiligt ist, seine Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien gebündelt. Seit der Gründung vor fünf Jahren wurden rund fünf Mrd. Euro in Wasserkraft-, Windenergie- und Biomasseprojekte investiert.

Vahrenholt betrachtet die Veränderungen auf den Energiemärkten mit gemischten Gefühlen. "Es kann passieren, dass wir eine Flatrate kriegen wie in der Telefonie nach dem Motto, du zahlst 50 Euro, egal wie viel Strom du verbrauchst. Das wäre eine Katastrophe." Damit fehle jeder Anreiz, Strom zu sparen.

Energieumbau hat für RWE Zeit

Mittels intelligenter Stromzähler, mit denen ein Großteil der Haushalte in Europa in den nächsten Jahren auszustatten ist, ließe sich der Stromverbrauch glätten, was gut für die Netzkapazität wäre. Man dürfe sich aber nicht zu viel versprechen. Vahrenholt: "Nur rund ein Viertel des Stromverbrauchs entfällt in Deutschland auf Haushalte. Da sind vielleicht ein paar Prozentpunkte zu holen." Die Industrie sei ein eigenes Thema. "Sie können ein Aluminiumwerk nicht abstellen, nur weil Strom gerade teuer ist."

Trotz aller Herausforderungen gebe es auch eine gute Nachricht: "Wir können uns mit dem Umbau Zeit lassen." Denn anders als vom Weltklimarat prognostiziert, steige die mittlere Temperatur bis Ende des Jahrhunderts nur um ein statt um vier Grad, glaubt Vahrenholt. (stro, DER STANDARD, 19.10.2012)

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