Der Onkel auf der Ofenbank

3. Oktober 2012, 16:53
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Wer hätte das gedacht, dass einem Sarrazin und Lafontaine fast schon sympathisch-weichgespült erscheinen?

Wer hätte das gedacht, dass einem der deutsche Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin und der ehemalige Linke-Chef Oskar Lafontaine fast schon sympathisch-weichgespült erscheinen? Am Dienstagabend bei ARD-Talkerin Sandra Maischberger war es so weit.

Um den Euro ging es zum ungefähr 394. Mal in einer TV-Diskussionsrunde, und diesmal saß auch Parteigründer und Euro-Gegner Frank Stronach in der Runde. Es war ein zutiefst merk- und denkwürdiges Spektakel, das da geboten wurde.

Jetzt kennen die Deutschen Stronach ja nicht so gut. Aber dass die erfahrene Maischberger ihn zu Beginn anstrahlte wie eine 100-Watt-Glühbirne und aufforderte, doch bitte ausführlich aus seinem tollen Leben zu erzählen, mutete ebenso seltsam an wie die eingespielten Bilder, die Stronach mit Queen Elizabeth II zeigten.

Offenbar glaubte man mit dem armen Ösi, der sich zum Milliardär hochgearbeitet hat, einen neuen interessanten Fang im abgefischten Reservoir der ewig gleichen Talk-Gäste gemacht zu haben.

Doch weit gefehlt. Einmal mehr zeigte sich, dass Stronach den Monolog der Diskussion vorzieht. Wie der alte besserwisserische Onkel auf der Ofenbank wirkte er, der stur seine ewig gleiche Leier herunterbetete, derzufolge man erst erwirtschaften müsse, was dann verbraucht werden solle.

Im Laufe der Sendung verglühte nicht nur Maischbergers Begeisterung, auch die anderen Gäste schüttelten den Kopf über seine Thesen vom Euro für jedes Land. Lafontaine immerhin wagte den Einwand, dass es falsch sei, dem Staat das Schuldenmachen zu verbieten. Rätselhaft aber bleibt, warum die anderen sich hauptsächlich peinlich berührt wegduckten. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 4.10.2012)

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