Vuk Jeremic: Ein eifriger Kämpfer gegen den Kosovo

Kopf des Tages25. September 2012, 19:30
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Er redet sehr viel und sehr schnell. Der ehrgeizige 37-jährige Politiker mit dem amerikanischen Akzent und dem modellierten Lächeln sei "auf Steroiden", schrieb der "Economist" einmal. Tatsächlich kann man dem neuen Präsidenten der UN-Generalversammlung und serbischen Exaußenminister Vuk Jeremic kaum entkommen.

Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo 2008 bereiste er 90 Staaten, um gegen die Anerkennung des südlichen Nachbarn zu lobbyieren. Unermüdlich erklärte er, wie ungerecht der "feindliche Akt der Kosovo-Albaner" sei. Von der Unterdrückung sprach er nicht.

Dabei hatte Jeremic zunächst das Image eines modernen Demokraten. Ab 1991 lebte er in London, er studierte in Cambridge theoretische Physik und machte einen Abschluss in Harvard. 1999 kehrte er nach Serbien zurück und schloss sich der Opposition gegen Milosevic an. Den späteren Chef der Demokratischen Partei (DS), Boris Tadic, kannte er bereits als Lehrer aus der Mittelschule. Jeremic wurde auch in der Politik Tadics Zögling.

Als Außenminister baute er ab 2007 ausgezeichnete Beziehungen zur Türkei auf, stützte sich auf Russland, aber enttäuschte westliche Diplomaten. "Der Kosovo ist unser Jerusalem", predigte er unaufhörlich. Seinen größten Misserfolg verzeichnete er 2010, als der Internationale Gerichtshof die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo als rechtmäßig einstufte.

Jeremic stammt mütterlicherseits aus einer in Titos Jugoslawien einflussreichen bosniakischen kommunistischen Familie. Manche behaupten, dass er deshalb versuche, besonders "serbisch" zu agieren. Seine Wahl zum Präsidenten der UN-Generalversammlung im Juni bezeichnete er "als historischen Sieg" für Serbien, der "einmal in hundert Jahren vorkommt". Eine Aufnahme des Kosovo in die Uno könne "nur über meine Leiche geschehen", ließ er wissen. Tatsächlich hatte sich Jeremic mit der mächtigen Hilfe Russlands in einer Kampfabstimmung gegen den litauischen UN-Botschafter Dalius Cekuolis durchgesetzt. Die Wahl spaltete aber die osteuropäischen Staaten und sorgte für Verstimmungen.

Als bekannt wurde, dass der UN-Job Serbien 7,3 Millionen Dollar kosten sollte, sank seine Popularität auch zu Hause. Die Ausgaben wurden auf 1, 5 Mio. reduziert. Jeremic, der vom russischen Expremier Jewgeni Primakow beraten wird, ist mit einer Journalistin verheiratet und Präsident des serbischen Tennisverbands. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 26.9.2012)

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    Vuk ("Wolf") Jeremic führt die UN-Generalversammlung.

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