Angriff auf US-Konsulat in Benghazi war langfristig geplant

25. September 2012, 17:15
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Genaue Umstände des Mordes an US-Botschafter Stevens bleiben rätselhaft - Übergangspräsident entschuldigt sich bei Clinton

Auch zwei Wochen nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengazi ist der Tod des Botschafters Christopher Stevens in den Schlagzeilen der US-Medien zu finden. Vor allem die Frage, warum es der Leibwache des Diplomaten nicht gelangt, ihren Schützling in Sicherheit zu bringen, brechäftigt die Öffentlichkeit.  Die Sicherheitsvorkehrungen für den vom US-Außenministerium angemieteten Gebäudekomplex waren offenbar unzureichend.

Die Angreifer, die zum Jahrestag der Anschläge auf World Trade Center und Pentagon das Konsulat aus zwei Richtungen mit Schnellfeuerwaffen und Bazookas unter Beschuss nahmen, brauchten nur eine Viertelstunde, um die Umzäunung zu durchbrechen und auf das Gelände vorzudringen. Mehrere US-Politiker äußerten im einem Hearing des Ausschusses für Heimatschutz die Vermutung, dass sie dabei von den libyschen Milizen, die die Botschaft bewachen sollten, zumindest nicht aufgehalten wurden.

Anschlag im Juni

Bereits im Juni dieses Jahres war ein Bombenanschlag auf das Gebäude verübt worden, der aber keinen Schaden anrichtete. CNN meldet , dass damals Barrieren aus Sandsäcken und Stacheldraht errichtet sowie Überwachungskameras installiert wurden. Aus dem US-Außenministerium wurde am Dienstag allerdings bekannt, dass für das US-Konsulat in Bengazi weniger scharfe Sicherheitsvorkehrungen als für andere Auslandsvertretungen galten.

"Offenbar war die Mission in Bengazi so wichtig, dass jemand die Entscheidung traf, dass man sich in diesem Fall über die normalen Sicherheitsvorschriften hinwegsetzen könne", mutmaßt Fred Burton, Vize-Chef des US-Think-Tanks Stratfor. Die ostlibysche Metropole ist das Zentrum der Erdölindustrie, aber auch des Aufstands gegen Muammar Gaddafi.

Gezielter Mörserbeschuss

Während die Angreifer das Konsulat stürmten, gelang es dem Großteil der Amerikaner, in ein nahegelegenes Gebäude (in US-Medienberichten als "Annex" bezeichnet) zu flüchten. Botschafter Stevens war zu diesem Zeitpunkt bereits verschollen. Dort versteckten sie sich, bis ein Fahrzeugkonvoi eintraf, der sie zum Flughafen bringen sollte. Doch als die Amerikaner das Gebäude verließen, wurden sie aus Handfeuerwaffen und mit Mörsern beschossen.

Augenzeuge Fathi al-Obeidi sagte zur New York Times, der Beschuss sei äußerst genau gezielt gewesen. Dies deutet darauf hin, dass die Attacke auf den Annex, dessen Lage geheimgehalten wurde, sorgfältig geplant war. Eine Granate traf das Dach des Gebäudes, zwei Leibwächter wurden getötet. Der Botschafter wurde erst Stunden nach dem Angriff gefunden und in das örtliche Spital gebracht. Wiederbelebungsversuche blieben aber erfolglos, als Todesursache wurde später Rauchgasvergiftung festgestellt.

Diplomaten äußerten Besorgnis

In den Tagen vor dem Angriff hielten mehrere Opfer ihre Sorge über die sich verschlechternde Sicherheitslage. Der Diplomat Sean Smith postete in einem Computerspielforum, "... wenn wir heute Nacht nicht sterben. Wir haben gesehen, dass einer der "Polizisten", die uns bewachen, Fotos des Geländes gemacht hat." Auch in Botschafter Stevens´ Tagebuch, das ein CNN-Reporter im Konsulat fand, ist zu lesen, dass er befürchtete, auf einer Todesliste der Terrororganisation al-Qaida zu stehen.

Magarief  entschuldigt sich

Parlamentspräsident Al-Parlamentspräsident Al-Magarief traf unterdessen am Rande der UN-Vollversammlung mit US-Außenministerin Hillary Clinton zusammen. Bei dieser Gelegenheit entschuldigte er sich für den Angriff auf das Konsulat und gab bekannt, dass mittlerweile etwa 50 Personen wegen der Attacke verhaftet worden seien. Das libysche Innenministerium nannte indessen eine weitaus niedrigere Zahl. Magrahi gab an, der Großteil der Angreifer seinen Ausländer gewesen, die erbindungen zur Terrororganisation Al Kaida unterhielten.  (red/derStandard.at, 25.9.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Allahu akbar"-Graffiti auf dem ausgebrannten US-Konsulat in Bengazi

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