Salzburger Traditionskino Elmo sperrt zu

24. September 2012, 20:04
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Kritik des Besitzers an Stadt Salzburg

Salzburg -  62 Jahre nach der Eröffnung am heutigen Standort hat das Elmo-Kino in der Stadt Salzburg am Sonntag wegen Rentabilitätsproblemen seinen Betrieb eingestellt. Zuletzt verkaufte der Traditionsbetrieb in der St.-Julien-Straße im Jahr 2011 30.000 Tickets pro Jahr. "Das ist zu wenig zum Überleben. Bei Schönwetter hatten wir zuletzt oft nur 30 Besucher am Tag", erklärte Kinobesitzer Ferdinand Morawetz -  langjährig der Geschäftsführer von Walt Disney Österreich - am Montag in einem Pressegespräch und übte dabei  Kritik an der Stadt Salzburg. 

Neben der Konkurrenz durch zwei Cineplexx-Großkinos und einem Parkplatz-Problem sei der Hauptgrund für das Zusperren "die Situation mit dem Bürgermeister", ärgerte sich Morawetz: "Die Stadt hilft uns nicht. Kino hat hier nicht den Stellenwert wie etwa in Wien." Sauer stößt dem 63-jährigen Unternehmer auf, dass das von der Stadt mitsubventionierte Filmkulturzentrum "Das Kino" schon länger einen neuen Standort sucht. Das Elmo würde sich als idealer Ausweichstandort anbieten. "Aber man hat einfach einen Gesprächstermin verstreichen lassen. Dabei würde ich weniger Miete verlangen, als die Stadt am alten Standort zahlt."

"Das Kino"-Geschäftsführer Michael Bilic wies die Kritik  zurück. "Es hat am 5. Juni sehr wohl ein Gespräch mit Herrn Morawetz gegeben. Er hat uns das Elmo-Kino als Spielstätte angeboten, der Bürgermeister hat mich ersucht zu prüfen, ob das infrage kommt. Ich habe Herrn Morawetz gebeten, schriftlich etwas für unser Vorstandsmitglieder vorzubereiten. Bislang ist aber nichts eingelangt." Bilic betonte, sich das Elmo-Kino sicher noch ansehen zu wollen. "Ich glaube aber nicht, dass der Standort der attraktivste ist. Wir würden gerne in der Altstadt bleiben." Eine Umfrage unter den "Das Kino"-Besuchern habe gezeigt, dass 30 Prozent einen Wechsel hinaus aus der Altstadt nicht gutheißen würden. "Da bleiben wir lieber am alten Standort."

Bürgermeister Heinz Schade  schloss auf Anfrage Subventionen für das Elmo aus: "Das Umfeld für Kinobetreiber ist schwierig. Aber es ist undenkbar, dass die Stadt einem privaten Betrieb Geld zuschießt. Wenn das Kino nicht läuft, kann die Stadt nichts dafür".

Das Elmo wurde 1947 von den Eltern Morawetz' im Turnsaal einer Volksschule gegründet. Der Name stammt von den Anfangsbuchstaben der Mutter, Elisabeth Morawetz. 1950 übersiedelte das Kino an den heutigen Standort. Ursprünglich gab es nur einen Saal, 1972 folgte ein zweiter, in den 80er Jahren dann drei weitere Säle. Noch im Mai hatte Morawetz  angedacht, das Elmo zu einem Großkino umzubauen. Vor kurzem wurden  zwei Säle digitalisiert, Sitzreihen entfernt, um mehr Beinfreiheit zu ermöglichen, und das Cafe im Erdgeschoß des Gebäudes übernommen. Eine Zeit lang wurden türkische Filme im Original gezeigt, um neue Kundenschichten anzusprechen und Opern in die Kinosäle übertragen. Morawetz: "Ich werde morgen sicher nicht die Sessel rausreißen. Vielleicht passiert noch ein Wunder und wir sperren wieder auf. Wenn ich die Entscheidung hätte, das Gebäude um Millionen zu verkaufen oder das Haus als Kino vernünftig weiterzuführen, würde ich mich für das Kino entscheiden. Wenn ein Sohn zusperren muss, was seine Eltern aufgebaut haben, ist das schlimm."  (APA, 24.9.2012)

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