"Kasimir und Karoline" in der Filmstadt

24. September 2012, 18:18
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Die Theatermacher der OIFT bauschen Ödön von Horváths Erzählung zum Oktoberfest-Ereignis auf

Wien grüßt München: Parallel zur jährlichen Supergaudi auf der Theresienwiese schlagen die Theatermacher der OIFT (Organisation für innovative Film- und Theaterprojekte) ihr Bierzelt in der Wiener Filmstadt der Rosenhügel-Studios auf. Gespielt wird Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline", ein Stück, das wegen seines Bezugs zur Finanzkrise dieser Tage häufig den Weg auf die Spielpläne findet.

Horváths Erzählung über ein Paar in der privaten Krise - Kasimir wurde " abgebaut" und fürchtet, seine Braut werde ihn deswegen verlassen - wird hier zum Großereignis aufgebauscht, die Zuschauer mit Massbier und Spinatstrudel bei bester Laune gehalten.

Anton Noori (zupackend) und Susanna Bihari (meist mit überkreuzten Beinen) in den Titelrollen wurschteln sich halbwegs überzeugend durch das kollektive Raumchaos aus Festzeltgarnituren, Videoleinwand und Ausschank (Bühne: Wolfgang Schuster). Die Unternehmer Rauch (Jens Classen) und Speer (Günter Giselher Krenner) loben auf ihrer VIP-Tribühne die gelebte Demokratie. Sissi Noé schwirrt als Boulevardbienchen und "Wiesn TV"-Moderatorin zwischen den Bierbänken herum und prüft die Zuschauer auf ihr Gaudi-Potenzial.

Die Idee, den ursprünglichen Prater-Schauplatz auf die Münchner Wiesn zu verlegen, ist nicht ganz neu (etwa in Ben von Grafensteins Verfilmung aus 2011). Regisseur Ulf Dückelmann lässt seine Darsteller konsequent Tracht tragen und Mundart sprechen und stellt ihnen den patenten Laienchor Hard-Chor zur Seite, dessen Liedgut zwar nicht ganz traditionskonform ist, aber stimmige Akzente setzt. Unstimmig wirken hingegen Bezüge zu anarchistischen Flugschriften von heute - traut man der zeitgenössischen Relevanz der Vorlage nicht? -, ebenso die peinlichen Liveübertragungen aus der Koks-Kabine.

In Dückelmanns k. u. k. Adaption ist Horváth nicht in Topform; eher ein harmloser Theaterspaß, ein bisschen Wiesn-Ringelpietz mit Gefilmtwerden für alle Daheimgebliebenen. (ebi, DER STANDARD, 25.9.2012)

Bis 29. 9.

  • Sissi Noé (li.) "Wiesn TV"-Moderatorin.
    foto: www.spotcatch.net

    Sissi Noé (li.) "Wiesn TV"-Moderatorin.

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