Geigenhändler: "Ich war entweder arm oder reich"

19. September 2012, 18:06
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Machold legt Teilgeständnis ab, alle anderen plädieren auf unschuldig

Wien - In Handschellen saß er da und wartete ruhig auf den Beginn seiner Verhandlung: Geigenhändler Dietmar Machold. Am Mittwoch hat der Prozess gegen den in U-Haft sitzenden gebürtigen Deutschen ("1997 bin ich ins Kaiserreich der Musik übersiedelt") begonnen. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, von Kunden anvertraute Instrumente veruntreut und zur Tilgung seiner eigenen Schulden verwendet zu haben. Zudem geht es um schweren Betrug und betrügerische Krida. Zu letzterer sollen seine Ex-Frau und deren Mutter beigetragen haben (Schaden: rund 50.000 Euro) - ein Vorwurf, den beide bestreiten.

Machold beteuerte vor Gericht, sie hätten von seinen Geschäften nichts gewusst. "Meine Frau ist völlig unmusikalisch, spielt kein Instrument und hatte keinen Einblick ins Geschäft", illustrierte er das. "Und die Schwiegermutter?" fragte die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Claudia Moravec-Loidolt. "Sie wusste noch weniger, wenn man das noch steigern kann." Von der Insolvenz erfuhr die Familie aus der Zeitung.

Finanzielle Engpässe

Der erste Prozesstag gab Einblick in die Welt des studierten Juristen, den Staatsanwalt Herbert Harammer als "einen der bedeutendsten Händler" beschrieb, dessen "nahezu weltumspannendes Firmengeflecht allerdings wirtschaftlich auf Sand gebaut war". 2010 sei die Fassade zusammengebrochen, tatsächlich pleite sei er schon 2006 gewesen.

Der 62-Jährige räumte ein, finanzielle Engpässe habe es immer wieder gegeben: "Dieses Geschäft kennt keine Regelmäßigkeit. Ich war entweder arm oder reich; und alle Mitarbeiter warteten, dass der Alte, wie sie mich schon als Jungen nannten, ein großes Geschäft abschließt."

Ganz eng wurde es 2009, als die Banken mit der Zwangsversteigerung seines Schlosses Eichbüchl drohten. "Es ging um Tage, ich hatte nichts anderes in der Hand, da habe ich in meiner Not zwei Instrumente eines engen Freundes an die Raiffeisen Landesbank NÖ übergeben", gestand er.

Den ihm zur Last gelegten Betrugsfall bestritt der Kaufmann. Dabei geht es um ein von ihm erstelltes Wertgutachten für ein Cello (300.000 Dollar); Gerichts- und ein zweiter Gutachter kamen auf 1500 Euro, der Staatsanwalt sprach von "Krempel". "Das ist nicht gerechtfertigt", so Machold. Und: "Die Namen der Gutachter kennt man nur in Österreich, meinen, in aller Bescheidenheit, schon mehr." Der Prozess ist bis Freitag anberaumt, Machold drohen bis zu zehn Jahre Haft. (gra, DER STANDARD, 20.9.2012)

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