Mühlviertel: Durch eine Wildnis mit zwölf Furten

    14. September 2012, 16:59
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    Die Tour durch das untere Rannatal vermittelt einen Hauch von Ursprünglichkeit und Abenteuer

    Seit dem Bau der Staumauer für das Pumpspeicherwerk Ranna in den 1920er-Jahren ist das untere Tal des Rannaflusses fast unbehelligt geblieben, wodurch sich in der schluchtartigen Eintiefung eine Wildnis gebildet hat, die der Wanderung einen Hauch von Abenteuer verleiht. Vor allem das vor einigen Jahrzehnten eingewanderte Drüsige Springkraut überwuchert in Massen das Gewässer, und die Talsohle und sorgt in den Sommermonaten für eine besondere Farbenpracht, die durch die gelben Flecken der Schwefelflechte auf den Granitblöcken noch erhöht wird. Dichte Moospolster überziehen die Felsen an beiden Hängen, selbst manche Bäume weisen eine Moosschicht bis in die Wipfel region auf.

    Gäbe es nicht die betonierten zwölf Furten, auf denen der Bach überschritten werden kann, wäre der Eindruck eines Urwaldes vollkommen. Zu Recht steht das Gebiet unter Naturschutz, weshalb alle Versuche, den Ranna-Stausee durch eine neue, weiter unten platzierte Talsperre zu erweitern, bisher fehlgeschlagen sind.

    Die malerische Ruine Falkenstein, eine weitere Attraktion auf der Runde, kann derzeit wegen Renovierungsarbeiten nicht betreten werden. Die einst uneinnehmbare Burg wurde ein Opfer der "Dachsteuer" und verfällt seit dem frühen 17. Jahrhundert.

    Viel Aussicht darf man natürlich von einer Tour, die vorwiegend in einem engen, bewaldeten Tal verläuft, nicht erwarten, lediglich von den freien Flächen des hoch gelegenen Altenhofs zeigt sich die malerische Landschaft des südlichen Mühlviertels. Trotzdem ist für Abwechslung reichlich gesorgt.

    Die Tour ist nicht besonders anstrengend, weil der Anstieg in ei ner gleichförmigen leichten Steigung erfolgt. Die Markierungen könnten besser sein, doch reicht die Beschilderung aus, um Orientierungsprobleme hintanzuhalten.

    Vorsicht ist bei den Furten wegen eines möglichen Wasserschwalls geboten.

    Die Route: Vom Donauufer in Rannamühl bei Niederranna wandert man nach Norden in das Tal, hält sich bei ersten Weggabel links und folgt dem Fluss aufwärts. Über zwölf Furten geht es gemütlich bergan, schließlich steigt man zur Sperre des Ranna-Stausees an. Gehzeit 1¾ Stunden. Man wechselt auf die östliche Seite des Tales und wandert auf dem Rohrleitungsweg weiter aufwärts bis Altenhof. Gehzeit ab Ranna-Sperre eine Dreiviertelstunde.

    Noch im Ortsgebiet zweigt nach rechts der Rückweg ab. Ein Stück durch freies Gelände, dann immer durch Wald geht es auf einem schmalen, aber guten Steig zur Ruine Falkenstein, die man nach etwa einer halben Stunde erreicht, und weiter zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Altenhof knappe 1½ Stunden.

    Die Runde lässt sich um eine gute halbe Stunde verkürzen, wenn man eine beschilderte Abkürzung wählt, bei der die Staumauer ausgelassen wird. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 15.9.2012)

    • Gesamtgehzeit knapp vier  Stunden, Höhendifferenz  400 m. Gasthaus in 
Blatt 3318-West (Engelhartszell), Maßstab 1:25.000; Wanderkarte "Natur 
erleben auf bayerisch-oberösterreichischen Donauwegen", Maßstab 1:40.000
      foto: wgd tourismus gmbh/weissenbrunner

      Gesamtgehzeit knapp vier Stunden, Höhendifferenz 400 m. Gasthaus in Blatt 3318-West (Engelhartszell), Maßstab 1:25.000; Wanderkarte "Natur erleben auf bayerisch-oberösterreichischen Donauwegen", Maßstab 1:40.000

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