Maschek ruft Spock zu Hilfe

13. September 2012, 18:31
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Rabenhof: In "111111" überflutet Red Bull die Welt

Wien - Am 11. November 2011 begann nicht nur, wie jedes Jahr, der Fasching: In Bangkok kämpfte man gegen die Flut, Silvio Berlusconi dankte ab, und Angela Merkel wünschte dem griechischen Regierungschef Lukas Papademos eine glückliche Hand.

50 Stunden TV-Material nahm das Drübersprech-Trio Maschek an ebenjenem 11. November auf. Wie schon bei 090909 und 101010 montierten sie die bewegten Bilder, die Talkshows und Nachrichtensendungen zu einer abendfüllenden Collage. Um aber eine Geschichte, unterlegt mit teils bissigen, teils absurden Texten, erzählen zu können, verwenden Maschek diesmal eine Folge von Raumschiff Enterprise in der Urbesetzung. Das Abenteuer von Captain Kirk und Commander Spock bildet sogar das Grundgerüst für den "Fernsehtag" 111111, den Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel am Dienstag im Rabenhof live präsentierten.

Diesen Rückgriff könnte man - trotz hohem Retro-Faktor der SF-Serie - als Manko ansehen: Maschek geben es billig(er). Wie das Trio allerdings die Story umdeutet und anreichert, ist ziemlich genial. Denn die Enterprise-Crew reist aufgrund eines irrtümlich empfangenen Funkspruchs 200 Jahre in die Vergangenheit, um am 11. November 2011 die Erde von Space Invaders zu befreien. Dass diese einst bloß ein Computerspiel waren, weiß nicht einmal Spock, der schlaue Fuchs mit der nuschelnden Synchronisationsstimme von Niki Lauda.

Pille, der Mediziner an Board, entdeckt, dass Red Bull damals noch nicht das aspirinartige Allheilmittel, sondern nur ein Energydrink war. Dietrich Mateschitz wird gezwungen, die Geheimrezeptur zu offenbaren. Und so wird nun allerorts derart viel Red Bull produziert (bzw. von Kühen ausgeschieden), dass es zur Überflutung von Bangkok und der Welt kommt. Das Süßwasser vermischt sich mit dem Salzwasser: Selbst die Walfische sagen "wäh".

Garniert wird das Ganze mit der Eröffnung der Fachmesse (!) "Canciller alemana" durch Angelika Merkel und Beiratssitzungen, in denen die Konzepte für 111111 für nicht förderungswürdig erachtet werden. Putin führt durch seine Präsidentenmaschine, er lektoriert russische Klassiker, knöpft sich beim Judo ein Mädchen von Pussy Riot vor - und setzt sich beim Eishockey den Helm falsch auf. Das wird durchs Drübersprechen noch witziger. Und wirklich gelungen sind die Politikerinterviews. Heinz Fischer z. B. schaut ziemlich dumm aus der Wäsche. Das echte Highlight folgt in der Zugabe: ein piepsender Faymann. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 14.9.2012)

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