Apple, die Möchtegern-Bedrohung für PlayStation und Xbox

14. September 2012, 11:53
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Weshalb iPhone und iPad eine Konkurrenz für Konsolen sind und dennoch viel aufzuholen haben

150 Millionen Spieler zählt Apples Spielnetzwerk "Game Center" bereits. Damit gibt es heute mehr registrierte iPhone- und iPad-Spieler als bei Sonys PlayStation Network und Microsofts Xbox Live-Netzwerk zusammen. Gewiss lassen sich die Plattformen nicht in einen Topf werfen, doch die Zahl verdeutlicht, wie groß die Spielplattform iOS bereits geworden ist. "175.000 Spiele- und Unterhaltungs-Apps" finden sich aktuell im App Store, viele davon gratis oder nicht teurer als 79 Cent. Die Frage, ob diese Flutwelle des schnellen und leichten Entertainments dedizierte Spielkonsolen zu erfassen oder gar zu überschwemmen droht, wird derweil immer heftiger unter Branchenexperten diskutiert. Gräbt Apple den großen Drei - Sony, Nintendo und Microsoft - zunehmend das Wasser ab?

Die flexible Bedrohung

"Ich hege keine Zweifel daran, dass das iPhone 5 zusammen mit anderen iOS- und Android-Geräten eine legitime Spielplattform ist und im traditionellen Videospielmarkt sowohl gedanklich als auch finanziell Spuren hinterlässt.", sagt RW Baird-Analyst Colin Sebastian gegenüber Gameindustry International.

Das Problem für bestehende Konsolenmodelle seien die Flexibilität und hohe Verfügbarkeit von Smartphones und Tablet. Jedes Jahr werden hunderte Millionen Mobile-Geräte verkauft, laut Apple laden iOS-User im Durchschnitt 100 Apps und Spiele herunter. Hardware- und Software-Updates über das gesamte Jahr verteilt beleben den Markt laufend neu. Neue Spielkonsolen erscheinen nur alle paar Jahre. "Meiner Meinung nach liegt die wahre Herausforderung für Konsolen in den ständigen Iterationen und Verbesserungen der Tablets. An den Fernseher angeschlossen, können diese Geräte künftig noch viel intensivere Spielerlebnisse ermöglichen, die Spieler von Konsolen fernhalten könnten. Umso mehr, wenn das Geschäftsmodell attraktiv ist", sagt Analyst John Taylor von Arcadia Investment.

Content is King

Allerdings sieht Taylor traditionelle Konsolen nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht. Dies läge insbesondere an den hochwertigen Inhalten, die für PlayStation und Co. zur Verfügung stehen. "Lediglich einen weiteren Bildschirm zum Spielen zu haben, wird Apple nicht das notwendige Killer-Game liefern, um den Status der Plattform zu ändern. Was Apple wirklich zum direkten Konkurrenten machen würde, wäre eine Palette an wirklich außergewöhnlichen Spielen, die speziell für die neuen Geräte entwickelt wurden". Derzeit könnten sich Mobile-Games inhaltlich schlicht nicht mit den Werken für Konsolen messen. Zu einem großen Teil auch aufgrund der oft seichten Spielmechaniken.

Entwickler gefragt

Sebastian zufolge läge der Grund für die schwache Ausbeute auch darin, dass Entwickler noch daran zweifeln, dass die mobilen Plattformen ein vitales Ökosystem bieten. Werke für 15, 20, 40 oder gar 60 Euro finden bei iPhone- und Android-Spielern kaum Anklang. Dementsprechend werden in die 79 Cent bis 5 Euro billigen Games weniger Ressourcen gesteckt als in Konsolenproduktionen. "Fraglich ist, wie viel Profit die Entwickler über die verschiedenen Plattformen hinweg generieren werden können", sagt der Analyst. "Wichtig wäre es, dass Designer das an sich konsumentenfreundliche und potentiell lukrative Free2Play-Modell meistern", ergänzt Taylor. Dabei ist Free2Play als Geschäftsmodell nicht weniger umstritten. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 14.9.2012)

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    Apple sieht iOS bereits als führende Spielplattform. Umstritten.

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