Zwei stabile Dreiecke, ein überragender Verknüpfungspunkt und die Hoffnung auf einen Resilienz-Effekt

Analyse12. September 2012, 18:09
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Das österreichische Netzwerk fügt sich aus beeindruckend robusten und regelmäßigen Strukturelementen zusammen: Pogatetz und Prödl etablierten eine schnörkellose Innenverteidigungsachse und verpassten dem Spielaufbau zuweilen jene initialen Nadelstichimpulse, mit dem die Österreicher das deutsche Mittelfeld ein ums andere Mal überrumpelten.

Auf dem rechten (Garics - Arnautovic) und dem linken Flügel (Fuchs - Ivanschitz) sehen wir je zwei stabile Dreiecke, die in Junuzovic ihren überragenden Verknüpfungs- und Angelpunkt finden. Das leichte Übergewicht auf dem rechten Flügel verdankt sich im Wesentlichen den letzten 30 Minuten, in denen Garics seine Unsicherheiten abschütteln konnte und die Österreicher dazu übergingen, den linken Außenverteidiger Schmelzer systematisch unter Druck zu setzen.

Zusätzlich bildete Junuzovic mit Kavlak und Baumgartlinger ein schlankeres, aber nicht minder wichtiges Dreieck im zentralen Mittelfeld. Die beiden "Sechser" verzeichnen in ihrer Passstatistik jeweils Aktiva, worin sich die aufopfernde und überwiegend erfolgreiche Arbeit der Balleroberung dokumentiert. Vor allem Kavlak dominierte seine prominenten Gegenspieler (Özil, Kroos, Khedira) phasenweise ungeniert. Vorn zog Harnik die Bälle mit seiner Wendigkeit und Schnelligkeit an sich und fand - wie Flügelmann Arnautovic - in Junuzovic eine stets greifbare Doppelpassoption.

Trotz geringeren Ballbesitzes agierten die Österreicher meist gefährlicher als ihre Gegner, und das ist vor allem zwei Faktoren zu danken, die sich unter Teamchef Koller entwickelt haben: die im Vergleich zu früheren, ebenso engagierten Performances gestiegene Präzision der Zuspiele und die verbesserte Koordination in den Laufwegen ohne Ball. Es steht zu hoffen, dass diese unglückliche Niederlage für die nächsten Spiele einen Resilienz-Effekt erzeugt und das Team gestärkt daraus hervorgeht. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 13.9.2012)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Junuzovic - Harnik 13
2. Garics - Junuzovic 12
2. Garics - Arnautovic 12
2. Prödl - Garics 12
2. Arnautovic - Junuzovic 12
6. Fuchs - Junuzovic 11
7. Junuzovic - Arnautovic 10
7. Baumgartlinger - Garics 10
9. Fuchs - Ivanschitz 9
9. Pogatetz - Prödl 9
11. Kavlak - Fuchs 8
11. Kavlak - Junuzovic 8
11. Arnautovic - Garics 8
14. Garics - Burgstaller 7
14. Garics - Baumgartlinger 7
14. Ivanschitz - Kavlak 7
14. Ivanschitz - Junuzovic 7
14. Junuzovic - Fuchs 7

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Junuzovic 75
2. Arnautovic 49
3. Garics 42
4. Harnik 40
5. Kavlak 37
6. Ivanschitz 36
7. Burgstaller 32
8. Baumgartlinger 30

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Garics 56
2. Fuchs 48
2. Junuzovic 48
4. Kavlak 46
4. Pogatetz 46
6. Baumgartlinger 43
7. Prödl 41
8. Arnautovic 40
9. Ivanschitz 27

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Junuzovic 123 (48/75)
2. Garics 98 (56/42)
3. Arnautovic 89 (40/49)
4. Kavlak 83 (46/37)
5. Fuchs 75 (48/27)
6. Baumgartlinger 73 (43/30)
7. Pogatetz 71 (46/25)
8. Prödl 68 (41/27)
9. Ivanschitz 63 (27/36)
10. Harnik 53 (13/40)
11. Burgstaller 41 (9/32)

* Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Jantscher 100,0 (6 von 6)
2. Prödl 92,7 (38 von 41)
3. Kavlak 91,3 (42 von 46)
4. Burgstaller 88,8 ( 8 von 9)
5. Baumgartlinger 86,0 (37 von 43)
6. Harnik 84,6 (11 von 13)
7. Garics 80,4 (45 von 56)
8. Fuchs 77,1 (37 von 48)
9. Pogatetz 76,1 (35 von 46)
10. Arnautovic 75,0 (30 von 40)
11. Almer 71,4 (10 von 14)
12. Junuzovic 70,8 (34 von 48)
13. Ivanschitz 70,4 (19 von 27)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Garics 12,8
2. Kavlak 11,9
3. Prödl 10,8
4. Baumgartlinger 10,5
4. Fuchs 10,5
6. Pogatetz 9,9
7. Junuzovic 9,7
8. Arnautovic 8,5
9. Ivanschitz 5,4
10. Harnik 3,1

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie den EM-Endrunden 2008 und 2012 im Einsatz und analysiert exklusiv für den STANDARD Österreichs WM-Quali-Spiele. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

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FAS

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