Hongkong: Umstrittenes Bildungsvorhaben vor Wahlen zurückgezogen

8. September 2012, 16:44
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Patriotismus als Schulfach auch nach 2016 nicht verpflichtend

Hongkong - Einen Tag vor der Parlamentswahl in Hongkong ist der umstrittene Plan, ein verpflichtendes Unterrichtsfach zur "patriotischen Erziehung" einzuführen, in dem südchinesischen Sonderverwaltungsgebiet zurückgezogen worden. Es sei den Schulen nun gänzlich freigestellt, ob sie das Fach einführten oder nicht, sagte Verwaltungschef Leung Chun-ying am Samstag. Zehntausende Menschen hatten gegen den Plan demonstriert, den sie als Gehirnwäsche für Kinder in der ehemaligen britischen Kronkolonie ablehnen, die 1997 wieder in den chinesischen Staatsverband eingegliedert worden war. Einige Schüler traten in einen Hungerstreik.

Der Patriotismus-Unterricht sollte in Hongkong mit dem neuen Schuljahr zunächst auf freiwilliger Basis eingeführt worden. Ab 2016 sollte das Fach dann obligatorisch werden. Laut einer Umfrage waren 69 Prozent der Schüler dagegen. Kritiker des Vorhabens kritisierten, die Kinder in der Wirtschaftsmetropole sollten solcherart mit kommunistischer Regimepropaganda gefüttert werden.

In Hongkong finden am morgigen Sonntag Wahlen zum Legislativrat ("Legco") statt, dessen Mitglieder nur zur Hälfte direkt gewählt werden. Die andere Hälfte wird de facto von der chinesischen Führung ausgesucht. Bei Kommunalwahlen hatten die prokommunistischen Kräfte empfindliche Niederlagen hinnehmen müssen, die sich aber nicht auf die Machtverhältnisse auswirken konnten. Im Nationalen Volkskongress in Peking ist das Sonderverwaltungsgebiet ausschließlich durch Persönlichkeiten vertreten, die der kommunistischen Führung genehm sind.

2017 soll erstmals der Hongkonger Verwaltungschef direkt gewählt werden, drei Jahre später auch der Legislativrat. Leung, ein reicher Bauunternehmer, dem Verbindungen zu den Hongkonger Triaden und damit zur organisierten Kriminalität nachgesagt werden, war Ende März von einem Elektorenkollegium gewählt worden. (APA, 8.9.2012)

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    Tausende demonstrierten vor Hongkongs Regierungssitz.

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