Salzburger Landesrätin Schmidjell zieht sich aus Politik zurück

6. September 2012, 12:22
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SPÖ-Politikerin: Kann nach Krebserkrankung Funktion nicht mit ganzer Kraft ausfüllen

Salzburg - Die an Brustkrebs erkrankte Salzburger Sozial- und Gesundheitslandesrätin Cornelia Schmidjell (SPÖ) verlässt die Politik. "Politik macht man nach meinem Verständnis ganz oder gar nicht", sagte Schmidjell am Donnerstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Ihr stehe derzeit nicht die volle Kraft zur Verfügung, um ihr politisches Amt so auszufüllen, wie sie sich das vorgenommen habe.

"Es fällt mit nicht leicht, meinen Rücktritt anzukündigen. Ich habe meine Aufgabe mit Leidenschaft und mit meiner ganzen Kraft ausgeübt", erklärte die gebürtige Oberösterreicherin, die erst seit 6. Juli 2011 im Amt war. Bis Ende September befinde sie sich noch in Nachbehandlung, danach werde sie eine Zeit der Regeneration brauchen, sagte Schmidjell.

Den Ausbau der Gesundheitsförderung und -prävention, die Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie den Kampf gegen Armut nannte Schmidjell als die Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit. Als Erfolge sieht sie den Bau des Pflegezentrums der Christian-Doppler-Klinik oder die Novelle des Salzburger Mindestsicherungsgesetzes, die Verbesserungen für die "working poor" bringe und seit 1. August in Kraft sei.

Nachfolge unklar

Der formale Rücktritt von Schmidjell im Salzburger Landtag wird am 3. Oktober erfolgen. Bis dahin werden ihre Agenden - wie schon seit Beginn ihrer Behandlung Ende Juni - von den SPÖ-Regierungskollegen mitübernommen. Zur Frage einer möglichen Nachfolge wollte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) am Donnerstag nicht Stellung nehmen: "Heute gibt es dazu keine Diskussion und keinen Kommentar."

Lob von Burgstaller

Burgstaller streute der scheidenden Regierungskollegin Rosen: Schmidjells Ausscheiden sei ein großer Verlust für die Landespolitik. "Ich habe in meiner langen politischen Laufbahn wenige Menschen erlebt, die mit so viel Kompetenz und Folgenabwägung Entscheidungen getroffen haben", sagte Burgstaller. Sie habe großen Respekt vor der Entscheidung, sei aber auch traurig darüber.

Die scheidende Landesrätin wurde 1964 in Braunau geboren und studierte Jus in Salzburg, wo sie zu einer Weggefährtin Burgstallers wurde. Die beiden Oberösterreicherinnen lebten eine Zeit lang sogar in einer Wohngemeinschaft, beide Juristinnen gingen nach dem Studium zur Salzburger Arbeiterkammer. Seit 2004 leitete Schmidjell die Abteilung für Sozialpolitik in der AK, von wo sie am 6. Juli 2011 als Landesrätin für Gesundheit und Soziales in die Politik wechselte. Dorthin will sie auch zurückkehren, wenn sie wieder gesund ist. (APA, 6.9.2012)

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