Werben mit den Mühen des Alltags

16. Oktober 2012, 18:19
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First Lady Michelle Obama schwört zum Auftakt des Konvents die Demokraten auf ihren Ehemann ein

Ach, diese Frau ist einfach echt." Nachdem die Show gelaufen ist, die First Lady sich dreimal verneigt und zu Rockklängen die Bühne verlassen hat, die We-love-Michelle-Poster weggepackt sind und eine Entwicklungshelferin das Schlussgebet gesprochen hat, bringt es Bonnie Porta auf ein Schlüsselwort. Echt. "Mit den Obamas kannst du dich identifizieren", sagt die Englischlehrerin aus Maine, "besser als mit diesem Burschen mit den Schweizer Bankkonten."

Gemeint ist natürlich Mitt Romney, der sein Geld nach den launigen Worten Ted Stricklands, des Ex-Gouverneurs von Ohio, in den Schweizer Alpen überwintern und an den Karibikstränden der Cayman-Inseln übersommern lässt. Michelle Obama nennt ihn nicht ein einziges Mal beim Namen in ihrer knapp halbstündigen Rede. Dabei dreht sich auch bei ihr alles um den Kontrast zum Republikaner und den schätzungsweise 250 Millionen Dollar, die er von exklusiven Vermögensverwaltern vermehren lässt.

Ihr Mann kenne das Leben einfacher Amerikaner, weil er selbst aus einfachen Verhältnissen stamme, betont die Tochter eines Gaswerksangestellten über den Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Dann skizziert sie die Weichenstellungen des früheren Sozialarbeiters Obama, der lukrative Angebote ausschlug, um sich in den Armenvierteln Chicagos um Benachteiligte zu kümmern. Dieser Mann sei das genaue Gegenteil eines Egoisten, er messe Erfolg nicht an der Summe verdienten Geldes. "Barack glaubt, wenn du selber durch die Tür der Möglichkeiten gegangen bist, dann schlägst du diese Tür nicht hinter dir zu. Dann bietest du anderen Leuten dieselben Chancen, die dir bei deinem Erfolg halfen."

Die Mühen des Alltags, der Ebene. Wer beim Wähler ankommen will, muss solche Geschichten erzählen. Michelle Obama erinnert an Autofahrten in einer Rostlaube, deren Blech so löchrig war, dass man den Asphalt sehen konnte. An den alten Couchtisch, den ihr Barack vom Müllplatz geholt hatte und der sein stolzester Besitz war, als sie ihn kennenlernte.

Die vier Jahre im Weißen Haus hätten ihren Mann nicht verändert, versucht sie den Vorwurf präsidialer Arroganz zu entkräften. Sei es nicht genau das, was im Amt zähle? Letzten Endes müsse ein Präsident allein und einsam entscheiden. "Alles, wovon du dich leiten lassen kannst, sind dann deine Lebenserfahrungen." (fh, DER STANDARD, 6.9.2012)

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    "Diese Frau ist einfach echt" - ein Fan über Michelle Obama.

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