Wohlbekannter Kugelsternhaufen hat doch noch eine Überraschung parat

8. September 2012, 18:00
60 Postings

Unter den zehntausenden Sternen von M4 befindet sich einer, der "das Geheimnis ewiger Jugend zu kennen scheint"

Heidelberg - Kugelsternhaufen versammeln zehn- bis hunderttausende annähernd gleich alte Sterne auf engem Raum. Die Sterne stehen dabei so eng, dass sich im Inneren eines solchen Haufens kaum stabile Planetensysteme bilden dürften, da die Nachbarsterne laufend die Bahnen der Planeten stören würden. Etwa 150 Kugelsternhaufen sind im Halo der Milchstraße bekannt, ein paar Dutzend mehr könnten nach Schätzung von Astronomen in Zukunft noch entdeckt werden.

Mit einer Entfernung von etwa 7.200 Lichtjahren ist Messier 4 im Sternbild des Skorpions der uns nächstgelegene Kugelsternhaufen und entsprechend gut untersucht. Und doch hat selbst M4 noch Unerwartetes zu bieten, wie das Max-Planck-Institut für Astronomie berichtet. Mit einem Alter von etwa 12,2 Milliarden Jahren enthält der 75 Lichtjahre durchmessende Haufen einige der ältesten Sterne der Milchstraße. Darunter aber auch einen, der laut Max-Planck-Institut "das Geheimnis ewiger Jugend zu kennen scheint".

Sternenstaub ist nicht gleich Sternenstaub

Das Alter von Sternen hat Einfluss auf ihre Zusammensetzung: Die meisten der chemischen Elemente, die schwerer als Helium sind, werden im Inneren von Sternen gebildet und verbreiten sich am Ende des Sternenlebens ins umliegende interstellare Medium. Das ergibt ein bereits mit schwereren Elementen angereicherten Material, aus dem sich dann die nächste Generation von Sternen bilden kann. Sehr alte Sterne dagegen, die sich noch aus leichterem Baumaterial bilden mussten, enthalten im Vergleich zu jüngeren Sternen wie unserer Sonne deutlich geringere Anteile an schwereren Elementen.

Nun ergab eine Spektralanalyse mit Hilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) bei einem der zehntausenden Sterne von M 4 deutlich größere Mengen des seltenen leichten Elements Lithium als erwartet. Üblicherweise wird dieses Element im Laufe der Jahrmilliarden eines Sternenlebens nach und nach zerstört. Dieser Stern hat es entweder auf irgendeine Art und Weise bewerkstelligt, sein ursprüngliches Lithium zu behalten, oder aber einen Weg gefunden sich Lithium-Nachschub zu besorgen. Die Herkunft des Elements bleibt vorerst ein Rätsel. (red, derStandard.at, 8. 9. 2012)


Link
ESO

  • 1746 entdeckt, oft untersucht und nun von der ESO neu abgebildet: Der Kugelsternahufen M 4.
    foto: eso

    1746 entdeckt, oft untersucht und nun von der ESO neu abgebildet: Der Kugelsternahufen M 4.

Share if you care.