Eine Kämpferin am Tisch und im Leben

Kopf des Tages2. September 2012, 18:24
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Tischtennis-Spielerin Doris Mader kämpft am Montag um Gold

Rund eine halbe Stunde lag Doris Mader schließlich voran. Noch bevor der steirische Dressurreiter Josef Puch am Samstagnachmittag in Greenwich paralympisches Bronze gewann, fixierte die 36-jährige Wienerin im nicht weit entfernten Exhibition Centre mit dem Einzug ins Tischtennis-Finale ihrer Klasse bei den Londoner Doppelspielen die erste Medaille Österreichs.

Über deren Güte wird heute, Montag, im Finale gegen die Schwedin Anna-Carin Ahlquist entschieden. Mader wollte die Partie gemäß ihrem Lebensmotto angehen, wonach durchaus verlieren kann, wer kämpft, aber sicher verloren hat, wer nicht kämpft.

Dieses Motto half schon den Schlag zu überstehen, der Mader 2002 traf. Die sportliche Studentin der Veterinärmedizin, Tochter eines Tischtennislehrers und daher seit ihrem siebenten Lebensjahr an der Platte aktiv, war nach der Entfernung eines 1,5 mal 2,5 Zentimeter großen Tumors am Rückenmark ab dem sechsten Brustwirbel querschnittgelähmt. Die Rehabilitation absolvierte Mader am Weißen Hof in Klosterneuburg. In dieser Einrichtung der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) war sie schon zuvor nach Entfernung einer Zyste gewesen, nachdem jahrelang rätselhaft geblieben war, warum die junge, erfolgreiche Sportlerin von Bewegungsaussetzern in den Beinen behindert wurde. In diesen sechs Wochen des Erstaufenthalts hatte sie eine querschnittgelähmte Zimmerkollegin, die in ihrer Verzweiflung zu einem abschreckenden Beispiel wurde.

Neue Kraft

Auf Rollstuhl-Tischtennis hat Mader, die ihr Studium aufgeben musste, unter Anleitung von Andreas Vevera im BSV Weißer Hof umgelernt. Als der Wiener Tetraplegiker 2008 in Peking Gold holte, waren die Rollen schon vertauscht. Mader trainierte und motivierte Vevera, der wegen seiner Behinderung immer wieder unter gravierenden gesundheitlichen Problemen leidet. In London übernimmt Mader, die in Peking auf Platz fünf abschloss, nun die Rolle als Medaillengewinnerin, nachdem Trainingspartner Vevera vorzeitig gescheitert ist.

Der Medaillenerfolg wird Mader, die selbst Auto fährt und mit ihrem Lebensgefährten in Gänserndorf lebt - der Hausbau ist fast abgeschlossen -, neue Kraft für kommende Herausforderungen geben. Der Spitzensport führt auch bei ihr zu Abnützungserscheinungen, die für Menschen mit Behinderung noch schwerer wiegen. Zudem hat der Tumor wieder zu wachsen begonnen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 03.09.2012)

 

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