Unisex-Tarife bergen Risiko für Altverträge

29. August 2012, 18:19
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Die neuen Unisex-Tarife gelten zwar nur für neue Versicherungsverträge. Werden alte Verträge "gravierend verändert", droht aber auch dort eine Tarifumstellung

Wien - Ab 21. Dezember gilt für die heimischen Versicherer die Unisex-Verordnung. Die besagt, dass Prämien für Frauen und Männer gleich hoch sein müssen. Statistische Risiken können ab dann nicht mehr für das jeweilige Geschlecht in einer differenzierten Prämie dargestellt werden.

Gelten werden die neuen Tarife nur für Neuverträge. Vorsicht ist jedoch auch bei Altverträgen geboten. Wer seinen Versicherungsvertrag nach dem 21. Dezember ändern möchte, könnte im Zuge dessen nämlich in einem Unisex-Tarif landen. Das ist dann der Fall, wenn "gravierende Vertragsveränderungen" vorgenommen werden. So schreibt es die diesbezügliche EU-Regelung vor.

Ab wann eine Änderung "gravierend" ist, ist freilich noch nicht geklärt. " Dazu wird in den nächsten Wochen ein Begutachtungsentwurf erwartet", sagt Ernst Schneckenleitner, Abteilungsleiter der Produktentwicklung Leben bei der Allianz, zum STANDARD.

Änderungen noch vor Umstellung

Wer bei seinen Verträgen Änderungen vornehmen möchte, sollte das - je nach Vertrag - noch vor der Umstellung angehen. Denn mit den Unisex-Tarifen müssen Männer und Frauen - je nach Versicherungsart - künftig mehr oder eben weniger Prämie zahlen. So werden Frauen künftig nicht mehr durch niedrigere Prämien bei der Autoversicherung belohnt, obwohl sie statistisch gesehen weniger Unfälle verursachen.

Für Männer wird hingegen gelten, dass sie gleich viel in Lebens- und Krankenversicherungen einbezahlen müssen, obwohl - statistisch gesehen - Frauen länger leben und so länger Anspruch auf Zahlung haben.

Versicherer werden künftig daher auf einen ausgewogenen Geschlechtermix achten. Große Verschiebungen sind laut Schneckenleitner nicht zu erwarten. Vorzieheffekte schon - auch, weil ab 21. Dezember die Mindestverzinsung bei Lebensversicherungen von 2,0 auf 1,75 Prozent sinkt.

Für Gabi Kreindl, Versicherungsexpertin beim Verein für Konsumenteninformation, rückt mit Unisex der ursprüngliche Versicherungsgedanke (alle zahlen den gleichen Betrag in einen Solidartopf) wieder in den Vordergrund. Sie hofft aber, dass "neue Tarife nicht so ausgestaltet werden, dass sie in Summe für beide Geschlechter teurer werden". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 29.8.2012)

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