USA veröffentlichen Dokumente zum Katyn-Massaker

24. August 2012, 13:03
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Log Roosevelt über das Massaker?

Washington - Auf Druck der polnischen Lobby in den USA wird das Land am 10. September ihre Unterlagen über das Massaker von Katyn im Internet veröffentlichen, berichteten polnische Medien am Freitag. Polnische Historiker interessiert vor allem die Frage, was die Regierung in Washington wann wusste. Vermutlich schrieb US-Präsident Franklin D. Roosevelt das Verbrechen ganz bewusst den Deutschen zu, um Stalin nicht zu reizen.

Die meisten Dokumente, die das Katy-Massaker betreffen, befinden sich nach Russland wahrscheinlich in den USA. In den Jahren 1951 und 1952 agierte im US-Kongress ein Ausschuss zur Untersuchung des Verbrechens unter der Leitung von Ray John Madden. Er sammelte fast alle Zeugnisse des Massakers, an die man im Westen gelangen konnte - darunter Aussagen von polnischen Zeugen und den Teilnehmern der von den Deutschen 1943 durchgeführten Exhumierung. Der Bericht des Madden-Ausschusses wurde im Dezember 1952 veröffentlicht. Der Ausschuss hatte zum ersten Mal offiziell zugegeben, dass polnische Offiziere 1943 von der sowjetischen NKWD ermordet wurden.

"Das Interessanteste wird das, was Präsident Roosevelt und andere Präsidenten wussten, und wer sie über Katyn informiert hat und wie", zitiert den polnischen Vizeaußenminister Boguslaw Winid die "Gazeta Wyborcza". Polnischen Historikern zufolge kann man von den neuen Dokumenten erwarten, dass sie das bestätigen werden, worüber man seit Jahren spricht. "Dass Franklin Delano Roosevelt im Katyn-Fall log", erklärte gegenüber der "Rzeczpospolita" der Historiker Wojciech Materski. Davon zeuge unter anderen die Verbissenheit, mit der Roosevelt Menschen bekämpfte, die das Geheimnis des Massakers aufdecken wollten. Einige amerikanische Diplomaten und Offiziere, die sich mit der Sache befassten, wurden - laut Materski - abgesetzt und zum Schweigen aufgefordert.

Das Massaker von Katyn, das das Verhältnis zwischen Moskau und Warschau bis heute belastet, wurde im Frühling 1940 aufgrund eines von Sowjet-Diktator Josef Stalin unterzeichneten Befehls vom 5. März 1940 zur Exekution von "Nationalisten und konterrevolutionären Aktivisten" in den besetzten Gebieten Polens verübt. Unter den Opfern waren polnische Intellektuelle, Polizisten, Reservisten und Offiziere, die 1939 von der Roten Armee interniert worden waren. Sie wurden zwischen 3. April und 19. Mai 1940 vom NKWD unter anderen im russischen Katyn bei Smolensk, in Mednoje bei Twer (damals Kalinin) sowie in Charkow (ukrainisch Charkiw) in der heutigen Ukraine mit Kopfschüssen hingerichtet. Die genaue Zahl der Opfer des Verbrechens ist nicht bekannt. Ein Schreiben des KGB-Vorsitzenden Alexander Schelepin an Nikita Chruschtschow vom März 1959 spricht von 21.857 Opfern. Nach Angaben Polens waren es circa 30.000 Personen.

Die Geheimaktion wurde erst 1943 bekannt, als die deutsche Wehrmacht auf die Massengräber stieß. Moskau machte für das Massaker jahrzehntelang das deutsche NS-Regime verantwortlich. Erst 1990 gestand die Sowjetunion die Schuld des NKWD ein. Russland lehnt jedoch die polnische Einstufung des Massakers von Katyn als "Völkermord" ab. (APA, 24.08.2012)

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