UniCredit zweifelt an Einkommens-Verlusten

22. August 2012, 14:45
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Die Einkommens-Studie der UBS sei falsch: Die Löhne in Österreich seien viel weniger stark gefallen

Wien - Eine kürzlich veröffentlichte Analyse der Schweizer Investmentbank UBS, die starke Reallohneinbußen für die Bezieher kleinerer Einkommen in Österreich errechnet, hat am Mittwoch Widerspruch von Bank Austria und der Industriellenvereinigung (IV) geerntet: In eine Studie der Bank Austria/UniCredit werden die Ergebnisse der Schweizer als "definitiv falsch" bezeichnet und unterstrichen, dass die UBS die Reallohnverluste als viel zu hoch dargestellt habe. Die wirklichen Lohnverluste hauptsächlich für die unteren Schichten seien auch nicht auf die europäische Gemeinschaftswährung, sondern auf die Globalisierung zurückzuführen. Die IV wiederum erklärte, es gebe gar keine Reallohnverluste, die Kaufkraft sei gestiegen.

"Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Inflationsentwicklung ist das reale Medianeinkommen in Österreich zwischen 2000 und 2010 tatsächlich gesunken, allerdings nur um 1,5 Prozent. Im untersten Einkommensquartil ergibt sich ein Minus um rund 9 Prozent, im oberen Bereich sind die Einkommen dagegen real gestiegen", schreibt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria/UniCredit in seiner Replik auf seinen UBS-Kollegen Paul Donovan. Die Lohnentwicklung in Österreich sei immerhin besser als jene in Deutschland gewesen.

Strukturelle Veränderungen

Donovan hatte reale Einkommensverluste von bis zu 35 Prozent in Österreich errechnet. Unter dem Titel "Wer hat mit dem Euro gewonnen?" verglich die UBS elf Länder der Eurozone und stellte starke Unterschiede in der Einkommensentwicklung zwischen nördlichen und südlichen Ländern fest. Er machte dabei zusätzliche Daten nutzbar, die zeigen sollen, dass die Inflation in den vergangenen zehn Jahren den unteren Einkommen viel stärker zugesetzt hat als den höheren.

"Die moderate Einkommensentwicklung in Österreich kann nach unserer Einschätzung nicht mit der Teilnahme an der Europäischen Währungsunion erklärt werden", schreibt Bruckbauer dagegen unter Hinweis auf andere entwickelte Länder mit Reallohnverlusten, die aber nicht der Eurozone angehören. Die nur wenig steigenden Löhne für die schlecht Ausgebildeten müsse man eher mit "strukturellen Veränderungen in Zusammenhang mit der Globalisierung" verstehen.

Realeinkommen und Kaufkraft gestiegen

Die Industriellenvereinigung (IV) wiederum erklärte unter Berufung auf Eurostat, dass die realen Einkommen in keinem der elf untersuchten Länder gefallen seien. Die von UBS (auch) verwendeten Euromonitor-Daten seien "höchst intransparent" und stammten außerdem "von einem privaten Umfrageunternehmen".

Die offiziellen Daten von Eurostat zeigten jedenfalls ein diametral anderes Bild: "Hier sind die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in den Jahren 2000-2010 bei allen elf untersuchten Eurozonen-Mitgliedern (außer in Deutschland in den untersten Dezilen) in allen Einkommensdezilen gestiegen." Eine Schnellauswertung von EcoAustria ergebe, dass in Österreich die tatsächliche Kaufkraft seit 2000 in allen Einkommensdezilen gestiegen sei. (APA, 22.8.2012)

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