Hermanis kritisiert Leysen-Bestellung

19. August 2012, 18:59
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"Man kann nur hoffen, dass die Profanierung des Theaters nicht lange anhält"

Salzburg - Es gehe ihn natürlich nichts an, wofür österreichische Steuerzahler ihr Geld ausgeben, sagt Alvis Hermanis, der die vermutlich spannendste Opernpremiere der diesjährigen Salzburger Festspiele inszeniert (Bernd Alois Zimmermanns "Die Soldaten", Montag, 18 Uhr, in der Felsenreitschule). Aber: "Diese Obsession für Multikulti-Theater aus exotischen Ländern mit postimmigrantischem Pathos erinnert mich an die Sowjet-Ära in kommunistischen Ländern, wo Politiker nur proletarische Ideologie unterstützten, der Kunst und Professionalität geopfert wurden."

Kritische Worte, mit denen Hermanis die Bestellung der belgischen Festivalmacherin Frie Leysen (62) zur Schauspielchefin der Wiener Festwochen kommentiert. Der lettische Regisseur war seinerzeit selbst als Festwochen-Intendant im Gespräch, deren Präsident Rudolf Scholten habe ihn mehrmals zu Gesprächen eingeladen. Aber nach anfänglichem Interesse habe er abgesagt: "Ich wollte meine künstlerische nicht einer Manager-Karriere opfern."

Befragt zu Leysens Vorliebe für postdramatische Konzepte, sagt Hermanis: "Es besteht eine globale Tendenz bei internationalen Theaterfestivals, sich zunehmend vom Theater selbst abzulösen. Offensichtlich bleiben auch die Wiener Festwochen von diesem Trend nicht unbelastet. Man kann nur hoffen, dass die Profanierung des Theaters nicht lange anhält. Auf lange Sicht bedeutet Theater vor allem Theaterspiel und hohe Darstellkunst." (asch/DER STANDARD, 20. 8. 2012)

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