Gewerkschaftsjugend schlägt neues Lehrstellen-Finanzierungsmodell vor

28. Juni 2003, 12:37
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Jungfunktionäre fordern Einführung eines Lastenausgleiches

Salzburg - Im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit präsentierten die Gewerkschaftsjugend aus Bayern, Österreich und Südtirol bei einem Treffen in Bad Hofgastein heute, Samstag, ein neues Modell. 30 Jugendfunktionäre forderten die Einführung eine Lastenausgleiches. "Alle Betriebe zahlen in einen Fonds ein. Wer Lehrlinge aufnimmt und sie qualifiziert ausbildet, bekommt Förderungen zurück", erklärte der Salzburger Jugendsekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Daniel Mühlberger.

Förderung für Wirtschaft statt Lehrlingen

Das Gießkannenprinzip, wie es derzeit in Österreich gehandhabt werde, löse das Lehrstellenproblem nicht, kritisierten die Funktionäre. Obwohl die langjährigen Forderungen der Gewerkschaftsjugend von der Bundesregierung zum Teil umgesetzt wurden und seit Jänner 2002 jeder Unternehmer, der einen Lehrling ausbildet, 1.000 Euro pro Lehrling und Arbeitsjahr aus dem Insolvenzentgeltsicherungsfonds erhalte, entpuppe sich dieser Tausender "eher als Förderung für die Wirtschaftsbosse", argumentierte Mühlberger.

Staatliche Auszeichnung Die Qualität der Ausbildung sollte in Zukunft an folgende Kriterien gemessen werden: "Positiver Erfolg bei der Lehrabschlussprüfung, Vermittlung von Qualifikationen, die über das Berufsbild hinausgehen, oder an der staatlichen Auszeichnung für Berufsausbildung", schlug die Gewerkschaftsjugend vor.

Jugendliche auf den Arbeitsmarkt

In Salzburg, Oberösterreich und Tirol stünden insgesamt 10.960 Jugendliche (3,38 Prozent) im Alter von 15 bis 25 Jahren auf der Straße. Diese Zahl beinhalte noch nicht Tausende von Jugendlichen, die Berufsorientierungs-Kurse ergriffen hätten. "Sobald diese Maßnahmen im Herbst auslaufen, drängen auch diese Jugendliche auf den Arbeitsmarkt", warnte der Salzburger ÖGB-Funktionär.

Ausbildung

Im Jänner standen 2.363 jungen Menschen (3,63 Prozent) zwischen 15 und 25 Jahren in Salzburg ohne Arbeit da. Von 1992 bis zum Jahr 2002 habe sich die Zahl der Lehrlinge von 10.422 um 718 auf 9.704 verringert. Im Freistaat Bayern fehlten 14.000 Lehrplätze. Nur noch etwa 30 Prozent der Betriebe würden dort noch junge Menschen ausbilden.

In Südtirol sei die Zahl der Lehrverhältnisse in den 90er Jahren von 6.153 auf 4.485 um etwa 27 Prozent zurückgegangen, berichteten junge Gewerkschafter aus Italien. In Zahlen ausgedrückt bedeute das einen Verlust um 1.669 Lehrstellen.

Umlagefinanzierung

Die italienischen Gewerkschafter hätten von der vorherigen Mitte-Linksregierung ihre Forderung nach einer Umlagefinanzierung durchsetzen können. Vorgesehen sei, eine 0,30 prozentig Abgabe auf alle Bruttolohnsummen der Betriebe einzufordern. Somit würde die gesamte Wirtschaft die Ausbildung der Jugendlichen mitfinanzieren. "Bei der fragwürdigen derzeitigen Mitte-Rechtsregierung müssen wir starken Druck machen", damit alle gesetzlichen Bestimmungen zur Anwendung kämen, erklärte Christian Troger von der Südtiroler Gewerkschaftsjugend. (APA)

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