"Agrareinkommen stabilisiert"

27. Juni 2003, 16:56
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Österreichs Bauern werden nach Umsetzung der EU-Agrarreform kein Geld verlieren - Vor allem Biobauern könnten profitieren. Die USA signalisierten Zustimmung zur Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik

Wien - Am Tag der Zeugnisverteilung in Ostösterreich waren Agrarier am Freitag landesweit mit Ähnlichem beschäftigt: der Aufzählung von Vor- und Nachteilen, die der Branche aus der am Donnerstag nach langwierigen Verhandlungen paktierten Reform der gemeinsamen Agrarpolitik in der EU erwachsen. Unterm Strich werden die Ergebnisse positiv bewertet, zumal der befürchtete Einschnitt bei den Einkommen der Bauern ausbleiben dürfte.

"Bei einer Totalentkoppelung von Direktzahlungen und Produktionsleistung, wie sie im ursprünglichen Entwurf der Kommission vorgesehen war, hätten sich die Einkommen der Bauern je nach Entwicklung der Agrarpreise um bis zu vier Prozent verringert. Durch die teilweise Entkoppelung wird es jetzt wahrscheinlich so sein, dass die Bauern nichts gewinnen, aber auch nichts verlieren", sagte der Agrarexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Franz Sinabell, dem Standard. Vorteile sieht der Wirtschaftsforscher für Bauern, die aus der landwirtschaftlichen Produktion aussteigen wollen. Durch Pauschalzahlungen sei dieser Schritt künftig einfacher.

Biobauer

Zu den Gewinnern zählten auch Biobauern. Diese seien von der Verpflichtung zur Flächenstilllegung ausgenommen und könnten die Fruchtfolge zur Produktion von Biomasse nützen. Sinabell erwartet, dass unter den geänderten Bedingungen mehr konventionell wirtschaftende Bauern auf die Bioschiene wechseln. Die Flucht aus der Landwirtschaft könne zwar nicht gestoppt, aber gebremst werden. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahrzehnte haben jährlich 2,6 Prozent der Bauern aufgegeben. Zurzeit gibt es österreichweit noch rund 160.000 Vollerwerbsbauern. Von diesen haben sich etwa 18.000 auf Bioanbau spezialisiert.

"Gut ist, dass Milchquote und Mutterkuhprämie zur Gänze bleiben und dass aus nationalen Töpfen zehn Prozent Direktzahlungen für besonders umweltfreundliche Produktion fließen können", sagte Franz-Jakob Purkarthofer vom Interessenverband Bio Ernte Austria. Schlecht sei, dass Überproduktion weiter gefördert und Alternativen nicht stärker unterstützt werden.

Landwirtschaftsminister Josef Pröll will das neue Agrarregime möglichst schon am 1. Jänner 2005 auf den Weg bringen. Im Herbst soll mit allen betroffenen Gruppen eine intensive Diskussion über den idealen Mix aus Direktzahlungen und pauschalen Prämien, den jedes Land selbst festlegen kann, begonnen werden.

Die USA haben die Einigung der EU-Landwirtschaftsminister auf eine Reform der Agrarpolitik vorsichtig begrüßt. Die Entscheidung sei "ein notwendiger Schritt nach vorne, der sich hoffentlich nützlich auf die Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation auswirken wird", hieß es in einer Stellungnahme des US-Landwirtschaftsministeriums am Freitag. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 28.06.2003)

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    foto: cremer
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