Löhne in Kinderheimen nicht weitergeben

16. August 2012, 17:42
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Auch in Oberösterreich ließen Firmen Heimkinder für sich arbeiten. Im Gegensatz zu Tirol erhielten sie dafür ein Taschengeld. Swarovski, Darbo und Eglo wollen jetzt wissen, wo ihre Löhne gelandet sind

Linz/Innsbruck - Auch in Oberösterreich ließen Unternehmen Jugendliche in Heimen für sich arbeiten. Diese Jobs wurden in den Anstalten des Landes unter dem Titel "Auftragsarbeiten" geführt, bestätigt Antonia Licka, Vorsitzende der Opferschutzkommission des Landes. Die Kommission prüft mögliche Misshandlungsfälle in Landesheimen zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren. Für die Heimarbeit seien die Heimkinder bezahlt worden. Allerdings erhielten sie ihren Lohn nicht eins zu eins, ein Teil des Geldes wurde für Unterkunft und Verpflegung einbehalten, der Rest sei Taschengeld gewesen, erklärt Licka. Auf Hinweise, dass Heimleiter den Verdienst der Jugendlichen an diese nicht ausgezahlt hätten, stieß die Kommission bisher nicht.

Dieser Verdacht besteht hingegen derzeit in Tirol. So sollen Heimkinder der Erziehungsanstalt St. Martin in den Sechziger-jahren für den Kristallkonzern Swarosvki Arbeiten erledigt haben. Und auch der Marmeladenproduzent Darbo und der Leuchtenhersteller Eglo haben mittlerweile bestätigt, 15- bis 18-jährige Heimkinder beschäftigt zu haben. "Vor etwa dreißig Jahren hatten wir kurzzeitig zwei Mitarbeiterinnen, die in St. Martin gewohnt haben", erklärt Firmenchef Martin Darbo. Nach einigen "tageweisen Einsätzen" sei die Beschäftigung wieder eingestellt worden. Darbo betonte, dass "wie für jeden anderen Mitarbeiter auch für die Jugendlichen der gesetzliche Lohn bezahlt worden sei".

"Kleine Mafia"

Er vermutet, dass jemand aus dem Umfeld des Heims das Geld entgegengenommen und nicht vereinbarungsgemäß an die Mitarbeiterinnen weitergeleitet habe. Offensichtlich habe das Heim mitverdient, erklärte Ludwig Obwieser von Eglo-Leuchten. Er bezeichnet die Zustände in den Heimen als "kleine Mafia".

Unterdessen hat der Tiroler Landesrat Gerhard Reheis (SPÖ) eine Einsatzgruppe unter dem Titel "Arbeit in Tiroler Heimen" installiert. Die Gruppe besteht aus Mitarbeitern der Jugendwohlfahrt und externen Experten. Auch die Unterlagen der betroffenen Betriebe seien angefragt. Von den Opfern habe sich bisher niemand beim Land gemeldet. Reheis zeigte sich betroffen. Das Land versuche über Entschädigungen Hilfe zu leisten. Die meisten Täter aus den Heimen seien jedoch verstorben oder juristisch nicht mehr greifbar. (Verena Langegger, Kerstin Scheller, DER STANDARD, 16.8.2012)

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