Südafrika: Polizei richtet Massaker an Bergleuten an

17. August 2012, 15:07
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Verhandlungen zu Streik in Platin-Mine gescheitert - Beobachter: Schlimmste Gewalt seit Apartheid-Regime

Johannesburg - Nach der Tötung von insgesamt 44 streikenden Bergleuten durch die Polizei steht Südafrika unter Schock. Zeitungen betitelten den härtesten Polizeieinsatz seit Ende der Apartheid am Freitag als "Blutbad", "Bergwerk-Gemetzel" und in Anlehnung an die Massenmorde der Roten Khmer in Kambodscha auch als "Killing Field". Fotos und TV-Bilder, die zeigten, wie schwerbewaffnete weiße und schwarze Polizisten das Feuer auf eine kleine Gruppe mit T-Shirts und Umhängen bekleideter Schwarzer eröffnete und an den im Staub liegenden Leichen vorbeischlenderten, erinnerten viele Bürger an die Brutalität der 1994 zusammengebrochenen Herrschaft der weißen Minderheit. Er sei schockiert und bestürzt von den Ereignissen in der Platinzeche Marikana 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, sagte Präsident Jacob Zuma.

Polizeiminister spricht von Notwehr

Zuma brach seine Teilnahme an einem Regionalgipfel im benachbarten Mosambik ab, um die Zeche zu besuchen. Zum Vorgehen der Sicherheitskräfte äußerte er sich aber zunächst nicht. Die Polizisten hatten am Donnerstag das Feuer auf etwa 3000 mit Macheten und Knüppeln bewaffnete Arbeiter eröffnet, die sich weigerten auseinanderzugehen. Polizeiminister Nathi Mthethwa bestätigte erst nach mehr als zwölfstündigem offiziellem Schweigen den Tod von mindestens 30 Arbeitern in dem Bergwerk des Lonmin -Konzerns. Die Polizei sprach später von insgesamt 44 Toten und 78 Verletzten innerhalb einer Woche. Mthethwa verteidigte den Einsatz als Notwehr. Aus der Menge heraus sei auf die Beamten geschossen worden, die zurückgefeuert hätten.

Hintergrund des Vorfalls ist der Streit zweier rivalisierender Gewerkschaften. Die für eine deutliche Lohnerhöhung streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist. Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen. Radikale ANC-Gruppierungen kritisieren die Bergbaubranche als "Bastion des weißen Monopolkapitalismus".

Apartheid-Vergleiche

Hunderte schwer bewaffnete Polizisten sicherten am Freitag das Zechengelände ab. Zu ihrer Unterstützung waren gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz. Hubschrauber kreisten am Himmel. Mitarbeiter der Kriminalpolizei suchten am Tatort nach Beweismitteln und sammelten blutbeschmierte Macheten und Speere ein. Auch Schusswaffen sollen sichergestellt worden sein, was die Angaben von Schüssen auf die Polizisten bestätigen könnte.

Die Zeitung "Sowetan" verurteilte das Vorgehen allerdings auf das Schärfste. "Dies ist früher passiert, als das Apartheid-Regime die Schwarzen wie Dinge behandelt hat", schrieb das nach dem größten schwarzen Township im Land benannte Blatt auf seiner Titelseite. "Und es setzt sich nun in anderer Gestalt fort."

Produktion eingestellt

Der in London ansässige Minenbetreiber Lonmin stellte in seinen Platinwerken, die zwölf Prozent zur weltweiten Förderung des Edelmetalls beitragen, die Produktion ein. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel um weitere rund zwei Prozent und stürzte seit der Eskalation des Konflikts zeitweise um insgesamt fast 20 Prozent ab. Im Gegenzug zog der Preis für Platin um bis zu 1,5 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 1456,50 Dollar an.

Damit verteuerte sich das unter anderem zur Herstellung von Autokatalysatoren verwendete Metall binnen zwei Tagen um knapp fünf Prozent. 75 Prozent der weltweiten Platinminenproduktion stammt aus Südafrika, wo auch 80 Prozent der bekannten Vorkommen liegen. Wegen gestiegener Energie- und Arbeitskosten sowie des in den vergangenen Monaten gesunkenen Platinpreises kämpfen zahlreiche Zechen ums Überleben. (Reuters, 17.8.2012)

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    Am Freitag protestierten Angehörige der Bergarbeiter gegen den Polizeieinsatz

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    Automatische Waffen gegen Streikende

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    Die Bergarbeiter fordern eine 200-prozentige Lohnerhöhung.

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