Mit "Ground Force One" in den US-Wahlkampf

10. September 2012, 10:59
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Der US-Präsident reist mit einem Bus durch die Bundesstaaten - das Gefährt kostete 1,1 Millionen Dollar

Mit dem Ende der Parteitage der Republikaner und Demokraten hat die Intensivphase des US-Wahlkampfs begonnen. Präsident Barack Obama und sein republikanischer Widersacher Mitt Romney reisen nun vor allem in den sogenannten Swing States von Ort zu Ort, um die Wähler von sich zu überzeugen. Während Obama normalerweise mit dem Jumbojet, einem Hubschrauber oder einer schwer gepanzerten Limousine durch die Welt reist, ist er seit fast einem Jahr unter anderem mit einem Bus unterwegs.

Doch handelt es sich dabei nicht um irgendeinen Bus. US-Journalisten nennen das Gefährt - angelehnt an die Bezeichnung der Präsidentenmaschine als "Air Force One"- "Ground Force One". Es ist die neueste Erwerbung des Secret Service, der unter anderem für den Schutz des US-Präsidenten und seiner Familie verantwortlich ist. Das durchgehend schwarz lackierte Gefährt bringt Obama und seine engsten Berater von Stadt zu Stadt - im mittleren Westen auch von Dorf zu Dorf. Ausgerüstet ist das Gefährt mit den neuesten kommunikationstechnischen Anlagen. Die mehrere zentimeterdicken Bustüren deuten darauf hin, dass auch bei der Sicherheit nicht gespart wurde. Offiziell gibt es zur Ausstattung kein Statement.

Die Kosten für die "Ground Force One" können sich sehen lassen. 1,1 Millionen US-Dollar kostet der Top ausgestattete Bus pro Stück. Angeschafft wurden im Juni 2011 davon gleich zwei - in Zeiten der Wirtschaftskrise eine politisch heikle Angelegenheit. Die stolze Summe rechtfertigt der Secret Service damit, dass bisher vor jeden Wahlkampf Busse angemietet und teuer umgebaut werden mussten. Außerdem habe auch Obamas Gegner in der Präsidentschaftswahl Anrecht auf den Schutz des Secret Service und somit auch auf den schwer gepanzerten Bus. Gesehen wurde Romney in dem Gefährt bisher jedoch noch nicht. Stattdessen tourt der Republikaner mit seinem eigenen bunt bemalten Wahlkampfbus durch die USA - ganz im Gegensatz zu Obama. Denn Wahlkampfslogans dürfen auf Fahrzeugen des Secret Service nicht geklebt werden.

Mysterium Inneres

Spekulationen gibt es über die Inneneinrichtung des Busses. Mitschuld daran dürfte der Ausstatter der Busse sein: Die Firma Hemphill Brothers statteten neben den Präsidentenbus auch die Tourbusse von Stars wie Beyonce, Jennifer Lopez und Stevie Wonder aus. Entsprechend extravagant präsentiert das Unternehmen auch Inneneinrichtungen ihrer Busse: von luxuriösen Bädern bis zu Sitzecken mit Lederbezug und Heimkino bleibt kein Wunsch offen.

Unklar ist, wie viele derartige Annehmlichkeiten Obama genießen kann. Bilder aus dem Inneren des Busses gibt es nicht. Das nährt Fantasien. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte gegenüber US-Medien, dass es eine Sitzgruppe mit einer Art Kapitänsstuhl im Bus gebe. Von außerhalb kann man diese nicht sehen - der Bus hat getönte Scheiben. Wenn Obama Schaulustigen zuwinken will, muss er sich an die Frontscheibe stellen.

Nicht ganz "Made in America"

Der Bus könnte Obama innenpolitische Problem bereiten. Denn der US-Präsident fordert die eigenen Bürger bei Reden auf, Fahrzeuge von US-Herstellern zu kaufen. "Wir haben Leute in Amerika, die Kias und Hyundais fahren", so Obama vor einem Jahr. "Ich will aber Menschen in Korea Chryslers und Chevrolets fahren sehen." Die Karosserie des Busses, in die er nach der Rede stieg, wurde aber nicht in den USA, sondern vom kanadischen Busbauer Prevost gebaut. Die konservative Boulevardzeitung "New York Post" thematisierte die amerikanisch-kanadischen Busmachenschaften und bezeichnete Obama als Kanadafreund - offenbar ein Affront im US-Wahlkampf. Der Secret Service verteidigt sich mit dem Hinweis, man habe die Busse bei einem Hersteller im US-Bundesstaat Tennessee bestellt. Einzig die Karosserie sei kanadischen Ursprungs. (stb, derStandard.at, 10.9.2012)

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    "Ground Force One" im Einsatz.

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    Schwer gepanzert durch die USA: Barack Obama winkt den Zuschauern zu, bevor er hinter schwarz getöntem Panzerglas verschwindet.

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    Bunt bemalt: Romneys Wahlkampfbus.

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