Fischler mahnt ÖVP zu mehr Bewegung

14. August 2012, 08:34
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Partei dürfe sich nicht auf Klientelpolitik reduzieren, sonst drohe Platz drei - Spindelegger will aus Fall Martinz lernen

ÖVP-Altpolitiker Franz Fischler warnt im Ö1-Morgenjournal seine Partei: Sie dürfe sich nicht auf Klientelpolitik reduzieren. Er fordert von der ÖVP mehr Bewegung, sonst habe sie keine Zukunft, ein Absinken auf Platz drei wäre möglich.

Fischler verlangt, die ÖVP müsse beweisen, dass sie nicht nur bestimmte Kreise wie die Bauern oder die Gewerbetreibenden anspricht, sondern sich wieder breiter aufstellt, wie das in den 1950er bis 1970er-Jahren der Fall gewesen sei. "Wenn sie das nicht tut, ist sie verloren", so Fischler. Denn jene Gruppen, die die ÖVP besonders vertritt, gehörten nicht zu den "Wachstumsgruppen" in der Gesellschaft Österreichs.

Spindelegger kein Wunderwuzzi

Kritik an ÖVP-Chef Michael Spindelegger will er damit aber nicht verbinden. Auch für einen "Wunderwuzzi" wäre es schwierig, diese Hürden zu überspringen. "Michael Spindelegger tut das Möglichste. Wenn man so konsequent ist, dann müssten jene gehen, die nicht tun lassen." Konkrete Namen will Fischler nicht nennen. Wenn sich bis zur Wahl nichts ändert, sei die Gefahr groß, dass die ÖVP nicht mehr Nummer zwei, sondern Nummer drei sein wird. Die ÖVP müsse klar machen, wofür sie steht. Das zu beantworten sei aber nicht seine Aufgabe, sondern die der gesamten ÖVP.

Franz Fischler, ehemaliger Landwirtschaftsminister, Ex-EU-Kommissar und nach wie vor überzeugtes ÖVP-Mitglied, wird in dieser Woche seinen ersten großen Auftritt als neuer Präsident des Forums Alpach haben. 

Spindelegger will aus Fall Martinz lernen 

Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger will aus dem Fall des ehemaligen Kärntner ÖVP-Chefs Josef Martinz für die Zukunft lernen. Der Fall habe sich allerdings kaum vermeiden lassen, denn, wenn jemand einen anlüge, könne man nicht in ihn hineinschauen. "Das wird auch so bleiben", so Spindelegger am Dienstag beim Ministerrat.

Auch VP-Klubchef Karlheinz Kopf räumte mit verweis auf Kärnten und die Anklage gegen Ex-Innenminister Ernst Strasser ein, dass "einige spektakuläre Dinge" in der ÖVP passiert seien, "das pickt an der ÖVP, das schmerzt unglaublich". Spindelegger habe damit aber nichts zu tun gehabt.

Das vom Parteiobmann geplante Durchgriffsrecht auf die Landesparteien stößt beim Klubchef auf großes Verständnis. "Da wird's eine brauchbare Lösung in absehbarer Zeit geben", kündigte er an. Auch Spindelegger bekräftigte seine Forderung trotz Widerstand einiger Landesparteien. "Man beschneide damit niemanden in seiner Macht", betonte der Vizekanzler. Lassen sie es meine Sorge sein, für die ÖVP die richtigen Regeln zu finden." (red/APA, derStandard.at, 14.8.2012)

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    Die ÖVP dürfe sich nicht auf Klientelpolitik reduzieren, meint Alt-ÖVPler Franz Fischler. Sie müsse sich breiter aufstellen, Bauern und Gewerbetreibende seien in Österreich  keine Wachstumsgruppen.

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