Das letztes Relikt des Mubarak-Regimes musste gehen

13. August 2012, 14:47
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Karriereoffizier scheute das Licht der Öffentlichkeit - 76-Jähriger stand zuletzt an der Spitze des Militärrates

Kairo - Bis zum Sonntag war Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi (76) der mächtigste Mann in Ägypten. Zwanzig Jahre lang hatte der Karriereoffizier, der wie der 1981 ermordete Staatschef Anwar al-Sadat zur Minderheit der Nubier gehört, unter Präsident Hosni Mubarak gedient. In der Machtarchitektur seit dessen Sturz im Februar 2011 war Tantawi das letzte Relikt des alten Regimes in einer derart hohen Position.

Tantawi hat wie Mubarak und dessen Amtsvorgänger Sadat an den Kriegen gegen Israel teilgenommen. 1956 trat er in den Dienst der Armee, zu deren Kommandanten er 1991 von Mubarak ernannt wurde. Gleichzeitig übernahm er das Amt des Verteidigungsministers. Das Licht der Öffentlichkeit scheute er.

Als Minister führte er häufig Gespräche mit ausländischen Politikern. Aus politischen Entscheidungen - etwa zur Frage, wie sich Kairo zu der radikalen Palästinenserorganisation im benachbarten Gazastreifen positionieren sollte - hielt er sich jedoch lieber heraus. Das geht unter anderem aus den von der Internet-Plattform Wikileaks veröffentlichten US-Botschaftsdepeschen hervor. US-Diplomaten charakterisierten Tantawi als "reform-resistent.

Tantawi übernahm nach Sturz Mubaraks

Nach dem Sturz Mubaraks durch eine neue Demokratiebewegung übernahm der Oberste Militärrat mit Tantawi an der Spitze die Macht. Dabei stand Tantawi im engen Kontakt zum Verbündeten USA. Der Rat sah sich selbst als Garanten für einen "geordneten Übergang" zur Demokratie, verlor sich aber dabei im politischen Mikro-Management. Fortdauernde Proteste der Jugendbewegung, aber auch koptischer Christen schlug es mit oft haarsträubender Brutalität nieder.

Den Aufstieg der Islamisten über demokratische Wahlen bremste das von Tantawi geleitete Gremium mit einer Auflösung des Parlaments sowie Verfassungszusätzen. Diese schränkten die Macht des ersten freigewählten Präsidenten Mohammed Mursi ein. Doch die Generäle konnten die Islamisten nicht stoppen. Jüngste Bilder zeigten einen gealterten Tantawi mit ausdruckslos-faltigem Gesicht.

Mit seinen Entscheidungen vom Sonntag holte sich der Islamist Mursi die Macht vom Militär. Dort scheint eine jüngere Generation nachzurücken. Deren Offiziere empfinden nicht mehr jene erbitterte Feindschaft zu den Islamisten wie Mubaraks alter Weggefährte Tantawi.

Immerhin gewährte Mursi dem bis dahin höchsten Militär einen Abgang in Ehren. Er dekorierte ihn mit dem staatlichen Nil-Orden. Außerdem darf sich Tantawi mit dem Titel eines "Beraters" des Präsidenten schmücken. Damit dürfte er von einer möglichen Strafverfolgung verschont bleiben. (APA, 13.8.2012)

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